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Notizen

SENUFO Kpelie Maske (mit Hornvogel)

Eine sehr raffinierte Senufo Kpelie-Maske (1. Hälfte 20. Jh., 37 cm) von der Elfenbeinküste - ein langgestrecktes, zartes Profil mit schmalen Schlitzaugen, einem kleinen vorspringenden Mund und komplexen flügelartigen geometrischen Flanschen, die von Wangen und Kinn abstehen. Über der Figur befindet sich ein stilisierter Nashornvogel. Sie weist eine dunkle, polierte Patina mit schwachen Spuren von blauem Pigment auf.

1. Die Kpelie-Ästhetik der weiblichen Anmut

Die Kpelie-Maske ist die zarteste und idealisierteste skulpturale Form, die von den Senufo hergestellt wurde - sie stellt den absoluten Höhepunkt stilisierter weiblicher Schönheit (kodal) dar.

  • Heiteres Oval vs. dynamische Flansche: Der Künstler hat das ruhige, schlanke Oval des Gesichts und die komplexe dynamische Architektur der seitlichen Flansche meisterhaft ausbalanciert.
  • Flansche als Haare und Skarifikationen: Diese geometrischen Vorsprünge sind nicht nur dekorativ - sie symbolisieren die komplizierten Frisuren, die von den elitären Senufo-Frauen getragen werden, während die "Beine" am unteren Rand baumelnde geflochtene Haare oder Skarifikationsmuster darstellen, die soziale Perfektion bedeuten.

2. Die Poro-Gesellschaft und der Ur-Hornvogel

Die Kpelie steht zwar für weibliche Schönheit, ist aber das ausschließliche Eigentum der Poro (der rein männlichen Geheimgesellschaft, die das Leben der Senufo regelt).

  • Begleitung der Seele ins Jenseits: Die Maske wird von Männern bei der Beerdigung von wichtigen Ältesten getanzt, um den Verstorbenen zu ehren und seine Seele ins Jenseits zu begleiten.
  • Schöpfungsmythos des Sejen-Hornvogels: Der markante geschnitzte Vogel an der Spitze ist der Sejen (Hornvogel) - eines der fünf Urgeschöpfe der Senufo-Schöpfungsmythologie, das intellektuelle Kraft, Adel und die Verbindung zwischen den Gründervätern und der lebenden Gemeinschaft repräsentiert.

3. Reckitt's Blue und taktiles Polieren

Die physische Oberfläche bietet eine schöne historische Erzählung.

  • Importiertes Pigment aus der Kolonialzeit: Tief in den eingeritzten Ritzlinien finden sich Spuren von leuchtend blauem Pigment - historisch identifizierbar als "Reckitt's Blue", ein importiertes europäisches Waschpulver, das von den Senufo-Schnitzern des frühen 20. Jahrhunderts als heilige Farbe mit hohem Status angenommen wurde.
  • Spiegelglatte Patina: Der Rest der Maske weist eine tief glänzende, spiegelglatte Patina auf; die Aufweichung der scharfen geometrischen Flansche und die schweißfleckige Oxidation am inneren Rand bestätigen die intensive aktive Nutzung durch die Tänzer der Poro-Gesellschaft.

Zusammenfassung

Diese Senufo Kpelie ist eine tadellose Ausführung des idealisierten Porträts der Elfenbeinküste und bietet ein perfektes Gleichgewicht zwischen heiterer weiblicher Schönheit und komplexen geometrischen Flanschen. Die tiefe Politur und die historischen blauen Pigmente kennzeichnen sie als ein elitäres Artefakt der Poro-Gesellschaft.

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