UBI/GREBO Mehräugige Brettmaske mit Federkamm (Mitte 20. Jh., 64 cm)
Eine große, stark abstrahierte Holzbrettmaske, die in ihrer Hauptebene völlig flach ist. Sie weist mehrere Paare hervorstehender, röhrenförmiger Augen, eine rechteckige Blocknase und einen roten vertikalen Streifen auf. Der obere Rand ist stark mit dicken, aufrechten Federn verziert.
1. Ästhetischer Stil und regionale Merkmale
Die Grebo (und verwandte Gruppen) sind für eine bestimmte, radikale Maskentypologie berühmt: die flache Brettmaske. Diese Maske verzichtet vollständig auf die natürlichen Kurven des menschlichen Gesichts und stellt stattdessen eine kahle, zweidimensionale Leinwand dar, auf der hochgeometrische, hervorstehende Merkmale hinzugefügt werden. Diese Maske mit ihren vielen röhrenförmigen Augenpaaren inspirierte die frühen europäischen kubistischen Künstler (wie Picasso) in ihrem Bestreben, das menschliche Porträt zu dekonstruieren. Das Grebo-Tafelformat ist eine der wenigen afrikanischen Maskentraditionen, die nachweislich einen direkten Einfluss auf die europäische Moderne des frühen 20.
2. Rituelle Funktion und der vieläugige Geist
Das auffälligste Merkmal dieser Maske ist die Vielzahl der hervorstehenden Augen. In den dichten Waldkulturen der Elfenbeinküste und Liberias werden Geister oft als allwissend und furchterregend dargestellt. Eine Maske mit mehreren Augen steht für einen Geist, der gleichzeitig in die physische Welt, das Geisterreich, die Vergangenheit und die Zukunft sehen kann. Sie wurde von männlichen Geheimbundmitgliedern in Zeiten des Krieges oder sozialer Krisen getanzt und diente dazu, sie zu überwältigen und einzuschüchtern. Die Vermehrung der Augen ist eher funktional als dekorativ - jedes Augenpaar erweitert die Sichtweite des Geistes.
3. Physische Patina und Altersnachweis
Die Maske weist noch deutliche Spuren ihres ursprünglichen rituellen Lebens auf. Der zentrale rote Streifen (der oft Blut, Gefahr oder spirituelle Hitze symbolisiert) und die gemalten Kreise um die Augen sind verblasst, aber deutlich zu erkennen. Der dicke Kranz aus steifen Vogelfedern fügt der starren hölzernen Geometrie ein entscheidendes organisches, chaotisches Element hinzu und bestätigt die Verwendung als aktives Zeremonialobjekt aus der Mitte des 20.
Zusammenfassung
Die Grebo-Tafelmaske ist ein Paradebeispiel für den radikalen, projizierenden Kubismus, der die moderne Kunst revolutionierte. Ihre furchterregende, vieläugige Allwissenheit, kombiniert mit authentischer Polychromie und Originalfedern, macht sie zu einem ethnografischen Artefakt von Weltrang.