NUPE Tür
Eine massive, schwere Holztür (1. Hälfte 20. Jh., 162 cm) der Nupe aus Nigeria, die aus mehreren zusammengefügten Bohlen besteht und mit komplizierten Basrelief-Schnitzereien aus verschlungenen geometrischen Knoten und stilisierten Motiven bedeckt ist.
1. Die islamisch-sahelische Ästhetik
Im Gegensatz zu der stark figurativen Senufo-Tür in der Sammlung Nr. 64 zeichnet sich diese Nupe-Tür durch Anikonismus aus - das Fehlen von menschlichen oder tierischen Figuren. Die Nupe, die in der Nähe des Niger-Flusses leben, waren stark von der islamischen Ästhetik beeinflusst. Die Tür ist ein Gemälde aus komplexen, ineinander verschlungenen geometrischen Knoten, gewebten Strukturen und tief geschnitzten konzentrischen Rauten - eine mathematische Annäherung an göttliche Schönheit.
2. Architektur des Prestiges
In der Gesellschaft der Nupe war eine geschnitzte Holztür dieses Ausmaßes (162 cm) das ultimative Statussymbol. Sie wurde nicht für eine gewöhnliche Wohnung verwendet. Sie schmückte den Eingang zum Anwesen eines wohlhabenden Kaufmanns, eines islamischen Gelehrten oder eines hochrangigen Aristokraten und signalisierte dem Betrachter Wohlstand sowie einen gehobenen sozialen Status.
3. Bas-Relief-Schnitzkunst
Die Tür ist im Flachrelief geschnitzt - der Hintergrund ist weggeschnitten, so dass die Muster erhaben sind. Der Schnitzer benutzte Stichel und feine Messer, um verschiedene Texturen zu erzeugen: einige Paneele ahmen gewebte Matten nach, andere wiederum genähtes Leder - eine Übertragung der reichen textilen Traditionen der Nupe auf Massivholz.
Zusammenfassung
Diese Nupe-Tür gilt als ein herausragendes Beispiel islamisch geprägter geometrischer Schnitzkunst. Sie diente als repräsentatives Element, das den Eingang eines nigerianischen Elitehauses schmückte und von mathematischer Ästhetik sowie Wohlstand zeugte.