Augeneinlage aus Porzellan (westliche Bembe-Einsatz-Augen-Technik)
Die diagnostische Technik des Einsetzens von Fragmenten aus weißem Porzellan, Kaurimuschel oder Glas in die geschnitzten Augenhöhlen westlicher Bembe-Figuren, wodurch ein intensiver, starrer Blick erzeugt wird, der als primäres Zuordnungsmerkmal dient.
Das eingesetzte Auge ist das einzige sofort erkennbare Merkmal der westlichen Bembe biteki und stellt das wichtigste visuelle Merkmal dar, das sie von den oberflächlich verwandten Figuren der benachbarten Kongo- und Ostkongo-Traditionen unterscheidet. Bei dieser Technik wird eine flache Vertiefung in die hölzerne Vorderseite geschnitzt und ein kleines Fragment aus weißem Porzellan - in der Regel aus Handelskeramik -, Kaurimuschel oder, bei einigen späteren Exemplaren, Glas mit Harz oder organischem Klebstoff in der Vertiefung befestigt. Das so entstandene Auge hat eine harte, schimmernde Qualität, ganz anders als die gemalten oder reliefartig geschnitzten Augen der meisten Kongo-Figuren und anders als die Muschelscheiben-Behandlungen, die man bei einigen Luba-beeinflussten Arbeiten aus dem Osten der DR Kongo findet. Insbesondere die Wahl des Porzellans spiegelt die Integration von Handelswaren in die rituelle Produktion wider: Porzellanfragmente aus europäischen Handelswaren wurden eher wegen ihrer Weiße und Härte als als Kuriositäten geschätzt.
Für die Echtheitsprüfung ist der Zustand der Augeneinlage ein differenzierter Indikator. Ein teilweiser Verlust des Porzellanfragments ist bei wirklich alten Figuren üblich und sollte ein Werk nicht automatisch disqualifizieren; die Fassung selbst, ihre Verkrustung und die Anbringung von Restmaterial sind aussagekräftiger als das einfache Vorhandensein oder Fehlen der Einlage. Frisch geschnittene oder vollkommen regelmäßige Augenhöhlen mit sauberer, nicht verkrusteter Einlage in einer ansonsten alt aussehenden Figur sind ein zuverlässigeres Warnzeichen. Die Einlegetechnik ist so charakteristisch, dass ihre korrekte Identifizierung oft der erste Schritt ist, um eine westliche Bembe-Zuschreibung von einer östlichen Bembe (Boyo), Kongo oder anderen zentralafrikanischen Figurentraditionen zu unterscheiden, die unter zweideutigen Bezeichnungen präsentiert werden.