Wie wir arbeiten, und wofür wir Rechenschaft ablegen.
Was dieses Archiv ist
African Archive ist der digitale Katalog einer privaten europäischen Sammlung afrikanischer Kunst. Diese Seite legt offen, nach welchen Regeln wir dokumentieren: woran wir uns orientieren, wie wir Objekte benennen, wie wir mit Daten umgehen — und wo unsere Grenzen liegen.
Woran wir uns orientieren
Vier Bezugsrahmen prägen unsere Dokumentation:
- Die ACASA Best Practice Guidelines (Arts Council of the African Studies Association, ratifiziert im August 2024) für Provenienzforschung und Restitution. Für uns zentral: die freie, vorherige und informierte Zustimmung — und die Bereitschaft, Wissenslücken offen zu benennen, statt sie zu überspielen.
- IEEE 2890-2025, die erste internationale Norm zur Herkunft indigener Daten, veröffentlicht im November 2025 und an den CARE-Prinzipien der Global Indigenous Data Alliance ausgerichtet. Sie beschreibt, wie sich Herkunftsangaben fälschungssicher festhalten, Weiterverwendungen einschränken und Einwilligungen maschinell prüfen lassen.
- Die Datenplattform von Open Restitution Africa, seit März 2025 online und von Chao Tayiana Maina und Molemo Moiloa gegründet. Sie zeigt, wie afrikanische Datenhoheit in der Praxis aussieht.
- Das Digital Heritage Lab des Museum of West African Art in Benin City als Vorbild für afrikanisch geführte Digitalisierung.
Wie wir Objekte benennen
Der Anspruch. Wo die Forschung eine Bezeichnung aus der Herkunftskultur belegt — etwa nkisi, byeri oder kanaga —, soll sie an erster Stelle stehen und der westliche Gattungsbegriff daneben.
Der tatsächliche Stand. Dieser Katalog ist aus einem über Jahrzehnte gewachsenen Sammlungsgutachten hervorgegangen. Ein Teil der Objekte trägt deshalb bis heute Bezeichnungen aus der europäischen Sammlertradition, darunter das kolonial belastete Wort „Fetisch“; die meisten Titel sind westliche Gattungsbegriffe wie „Maske“ oder „Figur“. Wir haben diese Bezeichnungen nicht stillschweigend entfernt — sie stehen so in der Quelle, und wer die Sammlung nachvollziehen will, muss sie wiederfinden können. Wir ersetzen sie schrittweise durch die jeweils belegte Eigenbezeichnung und führen den historischen Begriff dann nur noch als Hinweis auf die Quelle. Dieser Umbau ist nicht abgeschlossen — und wir halten es für richtiger, das hier hinzuschreiben, als das Gegenteil zu behaupten.
Spirituelle Provenienz. Die zeremonielle Biografie eines Objekts: welche Riten es geweiht haben, welche Ahnen oder Gottheiten angesprochen wurden, welche kosmische oder soziale Rolle es in seinem ursprünglichen Zusammenhang hatte. Wo die Forschung diese Ebene belegt, halten wir sie fest; wo sie unbekannt ist, sagen wir das.
Datenhoheit. Die CARE-Prinzipien — Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility, Ethics — leiten unseren Umgang mit Daten zu kulturell bedeutsamen Objekten.
Care-Ethik (Temi Odumosu). Heikles Material — erkennbare Personen, Objekte mit königlichem Zugangsvorbehalt, Fälle nach einer Restitution, Fotografien aus kolonialen Aneignungssituationen — prüfen wir vor der Veröffentlichung, statt es standardmäßig zu zeigen.
Wie die Objekttexte entstehen
Die Objekttexte stützen sich auf Unterlagen. Drei Quellen fließen zusammen: das Sammlungsgutachten eines unabhängigen Gutachters, das Material, Maße, Erwerb und — soweit bekannt — Herkunft festhält; die für diesen Katalog angefertigten Objektfotografien; und unsere eigenen Recherchedossiers zum betreffenden Volk und zur Region.
Aus diesen Quellen entsteht KI-gestützt ein Entwurf, der auf demselben Weg in die beiden anderen Sprachen übertragen wird. Der Sammlungseigentümer prüft den sachlichen Kern, allen voran das Material. Wo Gutachten und Entwurf auseinandergehen, korrigieren wir zugunsten des Gutachtens.
Ein Entwurf kann die Gewichte falsch setzen — etwa eine Herstellungstechnik ausschmücken, die so nicht belegt ist. Wir gleichen die Texte deshalb gegen die Unterlagen ab und schreiben betroffene Stellen neu. Hinweise auf Ungenauigkeiten sind uns willkommen; der Weg dafür steht weiter unten.
Wo die Daten liegen
- Datenbank
- Frankfurt am Main, Europäische Union.
- Auslieferung
- Die Seiten werden in der Region Frankfurt erzeugt und ausgeliefert (Hosting bei Vercel).
- Bilddateien
- Die Originaldateien bleiben beim Sammlungseigentümer. Alle Aufnahmen entstanden eigens für dieses Archiv, alle Rechte bleiben vorbehalten.
- Weitergabe
- Hochauflösende Bilder gehen nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Eigentümers an Dritte.
- Generative KI
- Wir bitten Betreiber von KI-Trainingssystemen, rituelle und sakrale Objektinhalte aus diesem Archiv nicht zu verwenden. Maschinenlesbare Felder zur Datenhoheit veröffentlichen wir, sobald sich dafür ein stabiler Standard abzeichnet.
Nutzungsrechte
Die Fotografien entstanden im Auftrag des Sammlungseigentümers. Alle Rechte bleiben vorbehalten: keine Nutzung durch Dritte, keine Verbreitung über Wikimedia Commons.
Die Texte auf africanarchive.org sind Zusammenfassungen unserer Quellen mit Beleg im Fließtext, entstanden nach dem oben beschriebenen Verfahren. Zitate daraus sind unter CC-BY-SA 4.0 willkommen, sofern die Herkunft genannt wird.
Herkunftsdokumentation
Für die Provenienz haben wir ein Rahmenwerk aus neunzehn Datenpunkten entworfen — zwölf technische Felder und sieben Felder zur Verantwortungsübernahme, die aus der afrikanischen Forschungsdebatte stammen. Es liegt als Entwurf vor und wird derzeit intern geprüft. Die Herkunftsangaben aus dem Sammlungsgutachten sind inzwischen transkribiert; sie in die Objektseiten zu überführen, ist der nächste Arbeitsschritt.
Korrekturen
Fehler gehen auf unser Konto. Für Korrekturen, fachliche Hinweise und Anfragen von Bibliotheken sind wir dankbar — die Kontaktadresse steht auf der Seite „Über das Archiv“. Wo wir an Grenzen stoßen, schreiben wir das offen hin. Diese Seite wird fortgeschrieben, sobald sich die zugrunde liegenden Standards oder der Forschungsstand ändern.