Gre (Bété war und Schutzmaske)
Der wichtigste Maskentyp der Bété *gre*-Gesellschaft, gekennzeichnet durch eine gewölbte Stirn, hervorstehende röhrenförmige Augen und gefletschte Zähne, der für Krieg, Gerechtigkeit und kollektiven Schutz verwendet wird.
Die gre (in verschiedenen Rechtschreibweisen auch glé oder gle) ist die Prestigemaske der gleichnamigen Maskengesellschaft der Bété, die in Ermangelung zentraler politischer Institutionen die Exekutivgewalt über Krieg, kollektive Gerechtigkeit und den Schutz der Gemeinschaft ausübte. Formal zeichnet sich die Maske durch extreme Dreidimensionalität aus: eine massiv vorspringende, gewölbte Stirn, zylindrische oder röhrenförmige Augenprojektionen, ein weit geöffneter Mund, der geschnitzte Eckzähne entblößt, und zusätzliche organische Materialien - Faserbart, Tierhaare, Hornaufsätze -, die ihre visuelle Aggressivität verstärken. Die dunkle, verkrustete Oberfläche wird durch wiederholtes Auftragen von Öl, Holzkohle und Opfersubstanzen im Laufe des Arbeitslebens des Objekts aufgebaut. Die Gelehrten sind sich einig, dass die Maske eher als Gefäß für eine gefährliche transformative Kraft (Nyondo) denn als reine Darstellungsform diente.
Die gre-Tradition gehört zu einem umfassenderen Maskenkomplex der Kru-Region, der - mit lokalen Variationen - von den sprachlichen Verwandten der Bété, den We (Guéré/Wé) und Kran, geteilt wird, was die anhaltende Zuordnungsverwirrung auf dem Markt und in älteren Sammlungsunterlagen erklärt. Die ethnografische Dokumentation der Gre-Gesellschaft der Bété ist dünner als die der vergleichbaren We-Traditionen, die von Forschern untersucht wurden, die näher an der liberianischen Grenze arbeiten; der Korpus von Fischer und Himmelheber über We/Dan-Masken liefert einen wichtigen Vergleichskontext, obwohl sich die Bété-Masken formal unterscheiden. Masken im aktiven Gebrauch erschienen bei Kriegsvorbereitungen, bei der Rückkehr von Raubzügen, bei der Beilegung von Streitigkeiten und bei der Beerdigung hochrangiger Mitglieder der Gesellschaft.