Bilongo (medizinische Ladung)
Die aktivierte Medizinpackung, die in einem Kongo *nkisi* versiegelt ist, besteht aus organischen und mineralischen Substanzen, deren kosmologische Eigenschaften die spezifische Kraft und den Zweck der Figur bestimmen.
Bilongo (Einzahl longo) ist die medizinische Substanz, die in jedes nkisi gegeben wird, um ihm Wirksamkeit zu verleihen. Die Zusammensetzung wird vom nganga je nach dem angerufenen Geist und der zugewiesenen Aufgabe festgelegt: Zu den Materialien können weißer Ton (mpemba, assoziiert mit dem Reich der Ahnen und moralischer Reinheit), rotes Pigment (tukula, assoziiert mit Vitalität und Übergang), Pflanzenharze, Tierteile, Erde von bedeutenden Orten und persönliche Gegenstände des Auftraggebers gehören. Die Logik ist eher assoziativ als pharmakologisch im westlichen Sinne: Jede Zutat wird ausgewählt, weil ihre Eigenschaften - ihre Farbe, Textur, Herkunft oder kosmologische Wertigkeit - dem gewünschten Ergebnis entsprechen. Wyatt MacGaffeys Analyse betrachtet bilongo als eine Form konzentrierter metaphorischer Argumentation, die sich an den bewohnenden Geist richtet.
Bei anthropomorphen Figuren wird das bilongo-Päckchen typischerweise in einer in den Bauch oder den Scheitel geschnitzten Höhlung versiegelt, die mit einem Spiegel, einer Glasscheibe, Harz oder einer organischen Membran verschlossen ist. Die Unversehrtheit dieses Siegels ist sowohl funktionell als auch ästhetisch von Bedeutung: Ein intaktes, gealtertes Siegel ist ein primäres Echtheitsmerkmal für Sammler, da bei Nachbildungen entweder die Vertiefung ganz fehlt oder eine kürzlich geschnittene Tasche mit einheitlichem, neuem Harz vorhanden ist. Die Entnahme des bilongo zur Untersuchung seines Inhalts galt als gefährlich und wurde von Nichtfachleuten nur selten durchgeführt; viele Museumssammlungen bewahren daher die ursprüngliche versiegelte Ladung auf, die in den letzten Jahrzehnten Gegenstand wissenschaftlicher Analysen mittels CT-Scanning geworden ist.