Bocio (pl. bocio-wo)
Gebundene Kraftfigur - Holzkörper, der mit Schnüren und Stoffen umwickelt ist, um schädliche Kräfte zurückzuhalten oder einen Vertrag zu besiegeln. Wird oft als "Voodoo-Puppe" missverstanden.
Ein bocio (manchmal bo in zusammengesetzten Formen; Plural bocio-wo) ist ein spirituelles Fon-Objekt, das im Mittelpunkt der vodun-Praxis steht. Der Körper - in der Regel aus geschnitztem Holz, manchmal auch aus Keramik oder Komposit - wird mit Palmfaserkordeln, Eisenketten und Stoffresten umwickelt und mit materiellen Zutaten (Palmöl, Kolanuss, Gris-Gris-Bündel, Tierzähne, Blut, Pflanzensud) gefüllt. Die akkumulierte Umhüllung ist funktional: Die Kordelbindung bindet schädliche spirituelle Kräfte, leitet Energie auf ein bestimmtes Ergebnis um oder siegelt eine verbindliche Vereinbarung zwischen dem Auftraggeber und der geistigen Welt.
Suzanne Preston Bliers African Vodun: Art, Psychology, and Power (University of Chicago Press, 1995) ist die endgültige wissenschaftliche Aufarbeitung des Bocio. Blier identifiziert vier funktionale Register - therapeutisch, juristisch, schützend, aggressiv - und argumentiert, dass die vorherrschende westliche Fehlinterpretation von Bocio als "Voodoo-Puppen" eine Projektion aus der Kolonialzeit ist, die ein hochentwickeltes philosophisches System zu einem Hollywood-Horror verflacht.
Der Begriff setzt sich zusammen aus bo (Zauber, rituelle Ladung) + cio (Leiche, Bildnis). Ähnliche Praktiken gibt es bei den Ewe und Adja, und die Diaspora-Formen - haitianischer Vodou paquet kongo, Louisiana hoodoo bottle-bundles - haben eine gemeinsame Genealogie. Die Oberflächen verdunkeln sich im Laufe der Generationen des Palmöltrankes und nehmen eine heterogene, verkrustete Patina an, die sich von der gleichmäßigen Kruste der Bamana boli unterscheidet.