Tira (islamischer Amulett-Beutel)
Ein kleiner Lederbeutel mit einer Koraninschrift, die von einem Dyula-Marabut angefertigt wurde; er wird am Körper getragen und dient dem spirituellen Schutz und dem sozialen Prestige.
Die Tira ist der Inbegriff des tragbaren islamischen Schutzobjekts bei den Dyula und verwandten muslimischen Mande-Gemeinschaften. Ein Marabut - ein gebildeter islamischer Gelehrter, der einer anerkannten Gelehrtenlinie angehört - schreibt einen Koranvers, einen göttlichen Namen oder eine talismanische Formel auf Papier oder Pergament, faltet es fest zusammen und versiegelt es in einer Lederhülle, die zugenäht wird. Die fertige Tira wird auf der Haut getragen oder an der Kleidung, einem Fahrzeug oder einem Gebäude befestigt, um einen dauerhaften spirituellen Schutz zu gewährleisten. Man geht davon aus, dass sich ihre Wirksamkeit aus dem baraka (göttlichen Segen) sowohl des Korantextes als auch der gelehrten Abstammung des Marabuts, der sie hergestellt hat, ergibt.
In einem Sammelkontext stellen tira eine Kategorie dar, bei der die dokumentarische und religiöse Dimension untrennbar mit dem Objekt selbst verbunden ist. Das Öffnen des Beutels zerstört die Integrität des Stücks und wird im Allgemeinen als Aufhebung seiner spirituellen Funktion angesehen. Die Altersbestimmung stützt sich daher auf äußere Anzeichen: Zustand der Haut, Abnutzung der Fäden, Oberflächenpatina durch Hautöle und Herkunftsdokumentation. Auf dem Markt gibt es eine beträchtliche Anzahl kürzlich hergestellter tira, die künstlich gealtert wurden; die Faser- und Tintenanalyse vergleichbarer offener Exemplare aus kontrollierten Ausgrabungskontexten bietet die zuverlässigste Vergleichsgrundlage.