Igun-eronmwon (Königliche Messinggießer-Gilde)
Die erbliche Gilde der Messinggießer in Benin City, deren Mitglieder das königliche Monopol für den Wachsausschmelzguss am Hof des Oba innehatten und das handwerkliche Wissen ausschließlich durch patrilineare Erbfolge weitergaben.
Igun-eronmwon - die Gilde der Messinggießer - besetzte einen eigenen Bezirk (Igun Street) in Benin City und besaß eines der am strengsten kontrollierten Erbmonopole im Gerichtssystem: Niemand außerhalb der Gilde konnte ohne königliche Genehmigung Messing für rituelle Zwecke oder Insignien gießen. Die Mitgliedschaft wurde patrilinear vererbt, und die Ausbildung begann im Kindesalter. Die Mitglieder der Gilde arbeiteten ausschließlich im königlichen Auftrag und erhielten vom Palast Rohmaterialien (Kupfer, Zink und Blei aus dem Handel) und strenge ikonografische Anweisungen. R.E. Bradburys Feldforschung in den 1950er und 1960er Jahren dokumentierte die lebendige Praxis der Gilde und ihre mündlichen Überlieferungen, die ihre Gründung mit Oba Oguola im 13. oder 14. Jahrhundert in Verbindung bringen, obwohl die voll entwickelte Hofgießertradition nach übereinstimmender Meinung der Gelehrten etwas später entstand.
Die Gilde ist auch heute noch in Benin City tätig und fertigt Arbeiten sowohl im historischen höfischen Idiom als auch in zeitgenössischen Interpretationen. Die Existenz einer lebendigen, identifizierten Werkstatttradition ist für die Echtheitsprüfung von unmittelbarer Bedeutung: Die Bandbreite der technischen Fertigkeiten, der Legierungskontrolle und der Oberflächenbearbeitung, die den heutigen igun-eronmwon-Handwerkern zur Verfügung steht, bedeutet, dass sich die physikalischen Eigenschaften echter alter Hofgüsse und hochwertiger moderner Zunftarbeiten überschneiden können, was die wissenschaftliche Analyse zu einer wichtigen Ergänzung der formalen Kennerschaft macht.