Terrakotta-Kopf aus Katsina (nordnigerianisches Porträt aus gebranntem Ton)
Ein handgefertigter Kopf oder ein Kopffragment aus gebranntem Ton aus der Region Katsina/Sokoto im Nordwesten Nigerias, das im Großen und Ganzen auf das erste Jahrtausend v. Chr. bis ins erste Jahrtausend n. Chr. datiert wird.
Der Katsina-Terrakottakopf bezeichnet eine Klasse von gemeißelten Objekten aus gebranntem Ton, die in den Bundesstaaten Katsina und Sokoto im Nordwesten Nigerias hergestellt wurden und auf der Grundlage von Thermolumineszenzdatierungen üblicherweise einer breiten chronologischen Spanne vom fünften Jahrhundert v. Chr. bis zum dritten oder vierten Jahrhundert n. Chr. zugeordnet werden. Diese Objekte gehören zu einem größeren nordnigerianischen Terrakotta-Horizont, der mit der Nok-Kultur auf dem Jos-Plateau verwandt ist, sich aber von ihr unterscheidet. Die stilistische Gruppe von Katsina zeichnet sich durch einen stark modellierten, durchgehenden Augenbrauenkamm, durchbrochene dreieckige oder kaffeebohnenförmige Augen, einen zylindrischen, länglichen Hals und ein im Vergleich zu den Gegenstücken aus der Sokoto-Region relativ schlichtes Dekorationsprogramm aus.
Da praktisch alle bekannten Terrakotten aus der Katsina-Region von illegalen Ausgrabungen stammen, die seit den späten 1980er Jahren durchgeführt wurden, gibt es keine gesicherten kontextbezogenen Funde, die Interpretationen zu Funktion, ritueller Bedeutung oder sozialem Kontext ermöglichen. Die wissenschaftliche Diskussion - einschließlich vergleichender Arbeiten, die sich auf Bernard Faggs Nok-Korpus und Peter Breunigs Nok-Projekt an der Goethe-Universität stützen - hat sich daher stark auf die formale Analyse und die begrenzte TL-Chronologie gestützt und weniger auf stratigrafische Belege. Das fast vollständige Fehlen von Provenienzdokumenten macht diese Kategorie zu einer der ethisch komplexesten auf dem afrikanischen Kunstmarkt.