Koro anthropomorphes Trankopfergefäß (Figurenbecher)
Ein hölzernes rituelles Trinkgefäß der Koro aus Zentralnigeria, bei dem eine menschliche Figur und ein funktionaler ausgehöhlter Becher strukturell zu einem einzigen geschnitzten Objekt verschmolzen sind.
Das anthropomorphe Trankopfergefäß ist der wichtigste skulpturale Typus, der mit den Koro des Nasarawa-Plateau-Grenzgebiets in Zentralnigeria in Verbindung gebracht wird. Seine bestimmende formale Logik ist die Integration der menschlichen Anatomie mit der Funktion des Gefäßes: Die geschnitzte Figur trägt nicht nur eine Schale, sondern ist die Schale, wobei der Rumpf als Sockel dient, die Arme seitlich als Henkel in einem spitzen rechten Winkel abstehen und der Scheitel oder die Brust die ausgehöhlte Schale bildet. Diese Konstruktion der Figur als Behälter ordnet die organische Anatomie dem strukturellen und rituellen Zweck unter und erzeugt eine Form der komprimierten, tragenden Geometrie, die in der begrenzten Dokumentation als weitgehend einheitlich für den gesamten Korpus festgehalten ist.
Im rituellen Gebrauch wurde das Gefäß mit Palmwein oder Hirsebier gefüllt, um es bei Begräbnissen, sekundären Bestattungszeremonien und landwirtschaftlichen Festen gemeinsam zu trinken. Das anthropomorphe Design verdeutlicht, dass die Ahnen am Trinkakt teilnehmen und ihren Anteil an der Ernte durch den skulptierten Körper erhalten. Die aufeinanderfolgenden Trankopfer bilden die charakteristische, dichte, geschwärzte Patina - am dicksten im Inneren der Schale und am Boden -, die der wichtigste physische Indikator für eine authentische Ritualgeschichte ist. Berns, Fardon und Kasfirs Central Nigeria Unmasked (2011) bietet den wesentlichen Vergleichsrahmen für die Einordnung der Koro-Gefäßfiguren in die breitere künstlerische Sphäre des Mittleren Gürtels, obwohl der spezifische Koro-Korpus zu den weniger vollständig dokumentierten Traditionen innerhalb dieser Region gehört.