Kpinga / Shongo (mehrschneidiges Wurfmesser)
Asymmetrische eiserne Wurfwaffe der Azande mit drei oder mehr gebogenen, strahlenförmig angeordneten Klingen, die in der Kriegsführung und als Prestigewährung verwendet wird; in der regionalen Literatur auch als shongo bezeichnet.
Das kpinga (je nach regionalem Dialekt und Quelle auch als shongo bezeichnet) gehört zu den am ehesten erkennbaren Gegenständen der materiellen Kultur der Azande. Es ist aus Eisen geschmiedet und besteht aus einer sichelförmigen Hauptklinge und zwei oder mehr seitlichen Nebenklingen, die in einem Winkel angeordnet sind, der sicherstellt, dass mindestens eine Schneide ein Ziel trifft, unabhängig von der Drehung des Messers im Flug. Diese aerodynamische Logik bestätigt, dass es sich um eine echte Projektilwaffe und nicht um eine rein symbolische Form handelt.
Prestigeversionen, die sich durch geometrische Oberflächenmuster, fein gearbeitete Klingenprofile und mit Leder oder Kupferdraht umwickelte Griffschalen auszeichnen, zirkulierten als Brautgeld und als Zeichen für den Rang eines Häuptlings und erlangten eine sekundäre soziale und wirtschaftliche Bedeutung, ohne ihre Identität als Waffe zu verlieren. Die Wissenschaft ist sich einig, dass sich das Prestigeregister neben dem kriegerischen Register entwickelt hat und nicht an dessen Stelle. In Marktkatalogen werden diese Objekte häufig fälschlicherweise als ausschließlich zeremoniell bezeichnet; Sammler sollten diese Bezeichnung als Vereinfachung betrachten, sofern sie nicht durch spezifische kontextuelle Belege gestützt wird. Der kpinga ist in der ethnografischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts dokumentiert und taucht in europäischen Sammlungen der Kolonialzeit ab den 1880er Jahren auf.