Mbuya (dörfliche Maskerade-Maske)
Eine Pende-Gesichtsmaske, die bei dörflichen Festen einen bestimmten sozialen Charakter darstellt und sich von der Minganji-Maske unterscheidet, die im Zusammenhang mit der Initiation steht.
Mbuya bezeichnet sowohl die individuelle Gesichtsmaske als auch die umfassendere Maskeradentradition der Pende, die ihren Schwerpunkt in der Region Kwilu hat, aber auch in verwandten Formen bei den östlichen Pende bekannt ist. Jede mbuya-Maske verkörpert einen bestimmten sozialen Charakter - darunter den Dorfchef (tundu), die schöne junge Frau (ufumu), den Epileptiker (mbangu), den Wahrsager und die Prostituierte -, dessen Persönlichkeit, Bewegungsvokabular und Gesang ebenso kodifiziert sind wie die geschnitzte Form selbst. Das Ensemble der Figuren stellt ein moralisches und satirisches Porträt des gesellschaftlichen Lebens in Pende dar.
Ein zentrales Ergebnis von Zoë Strothers Forschung ist, dass es sich bei dieser Galerie von Figuren nicht um einen unveränderlichen alten Kanon handelt, sondern um ein lebendiges Repertoire: Einzelne Schnitzmeister, die innerhalb erkennbarer formaler Konventionen arbeiten (das hängende Auge, der ausdrucksstarke Mund, die Tukula- und Kaolin-Oberflächenfärbung), haben im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts als Reaktion auf den sozialen Wandel neue Figurentypen eingeführt. Das Sammeln einer mbuya-Maske bedeutet daher eine Auseinandersetzung mit der Erfindung eines bestimmten Schnitzers sowie mit einer Gemeinschaftstradition.