Ngombe-Häuptlingsschemel (Karyatiden-Prestigethron)
Ein geschnitzter Holzhocker mit figuraler Stütze, der bei den Ngombe in der Provinz Equateur, DR Kongo, die Autorität des Häuptlings und die Sanktion der Ahnen verkörpert.
Der Hocker des Ngombe-Häuptlings ist aus einem einzigen Holzblock geschnitzt und zeichnet sich durch einen Karyatiden oder ein stilisiertes figuratives Element aus - in der Regel eine gedrungene, breitschultrige menschliche Gestalt mit in Flachrelief ausgeführten Skarifikationen -, das die flache Sitzfläche trägt. Dieses Strukturelement verleiht der Vorstellung, dass die legitime Autorität durch die Ahnen oder durch übernatürliche Kräfte aufrechterhalten wird, materiellen Ausdruck. Die Oberfläche gut gealterter Exemplare trägt eine tiefe, mit Öl verdunkelte Patina, die von der wiederholten Anwendung von Palmöl und der Handhabung über Generationen hinweg herrührt.
Innerhalb der prestigeträchtigen Sphäre des Nordkongo unterscheidet sich die Ngombe-Hockerform von der eher geometrischen Mongo-Möbeltradition durch ihr ausgeprägtes figuratives Element und von den Mangbetu-Hofmöbeln durch ihre relative formale Einfachheit und den spezifischen Figurenkanon. Aus Unterlagen der Kolonialzeit geht hervor, dass solche Hocker als Büroobjekte dienten, die von einem Häuptling zum nächsten weitergegeben werden konnten und im Laufe der Zeit rituelle Bedeutung erlangten. Für Sammler stellt die Kombination aus figurativer Schnitzerei, ölgesättigter Patina und Spuren langer Benutzung - einschließlich der Abnutzung der Sitzfläche und des Sockels - die wichtigste Authentizitätssignatur dar.