Nkisi nkondi (Machtfigur des Jägers)
Ein anthropomorphes Kongo-Kraftobjekt (*nkisi*) des Typs "Jäger", das durch Eiseneinlagen aktiviert wird, die Eide bestätigen und den bewohnenden Geist beauftragen, Übeltäter zu verfolgen.
Ein nkisi nkondi ist eine von einem nganga (Ritualspezialist) hergestellte Holzfigur, die einen aggressiven, mobilen Geist beherbergt, der Schwurbrecher, Diebe und Feinde jagen soll. Das bestimmende materielle Merkmal ist die Anhäufung eiserner Einsätze - Nägel, Klingen und Haken -, die jedes Mal in die Oberfläche der Figur getrieben werden, wenn ein Klient einen Eid schwört, einen Vertrag besiegelt oder den Geist beauftragt, einen Missstand zu verfolgen. Wyatt MacGaffey, dessen Feldforschung und Analyse in Religion and Society in Central Africa (1986) und nachfolgenden Monographien die wissenschaftliche Grundlage für das Verständnis von minkisi bilden, betont, dass es sich bei den Einschlägen um performative Sprechakte handelt: Das Eisen "verriegelt" die geschworene Aussage und alarmiert den Geist. Die vorwärtsgerichtete, konfrontative Haltung (pakalala), die den nkondi-Figuren eigen ist, drückt diese aggressive Handlung formal aus.
In der Bauchhöhle befindet sich ein bilongo - ein Medizinpaket aus organischen und mineralischen Substanzen, die aufgrund ihrer kosmologischen Assoziationen ausgewählt wurden -, das hinter einem Spiegel oder einem Harzpfropfen versiegelt ist. Der Spiegel (lusinga) ist nicht dekorativ: Er signalisiert die Fähigkeit der Figur, in verborgene Bereiche zu sehen und Übeltäter zu identifizieren. Zu den wichtigsten institutionellen Beständen gehören Stücke im British Museum, im Ethnologischen Museum Berlin und im Metropolitan Museum of Art, wo 2015 die Ausstellung Kongo: Power and Majesty, die von Alisa LaGamma organisiert wurde, die bisher gründlichste wissenschaftliche Behandlung dieser Tradition in englischer Sprache darstellte.