Nsibidi (ideografische Schrift von Cross River)
Eingeborenes ideografisches Schriftsystem der Cross River Region, das von den Mitgliedern der Ekpe-Gesellschaft verwendet wird, um esoterisches Wissen festzuhalten, Besitz zu markieren und auf Gegenständen, Stoffen und dem Körper zu kommunizieren.
Nsibidi ist ein ideographisches Kommunikationssystem, das in der Cross-River-Region beheimatet ist und nachweislich am intensivsten von den Ejagham, Efik und verwandten Völkern verwendet wird. Im Gegensatz zu alphabetischen Schriften handelt es sich bei nsibidi nicht um eine phonetische Kodierung von Sprache, sondern um eine Reihe konventionalisierter grafischer Zeichen, die jeweils für ein Konzept, eine soziale Beziehung oder eine Anweisung stehen und deren Interpretation gesellschaftlich vermitteltes Wissen erfordert. Das System wurde erstmals 1911 von Elphinstone Dayrell systematisch aufgezeichnet, und die nachfolgenden Dokumentationen von P. A. Talbot und in jüngerer Zeit von Keith Nicklin belegen seine Ausdehnung auf die gesamte materielle Kultur der Ekpe-Gesellschaft: auf Kopfbedeckungen eingraviert, auf Tücher aus Raffiabast gestickt, bei Gerichtsverfahren auf den Boden gezeichnet und als vorübergehende Zeichen auf den Körper aufgetragen. Robert Farris Thompson (Flash of the Spirit, 1983) wies nach, dass nsibidi-Zeichen in abgewandelter Form in der Abakuá-Gesellschaft auf Kuba überlebten und einen wichtigen Beweis für die intellektuelle und spirituelle Dimension der afrikanischen Diaspora darstellen.
Für Sammler ist das Vorhandensein von nsibidi auf einem Objekt in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Erstens ist es ein Zeichen für die Produktion innerhalb eines aktiven Ekpe-Gesellschaftskontextes, da die Zeichen kontrolliertes Wissen waren, dessen Anwendung auf in Auftrag gegebenen Objekten nicht zufällig oder dekorativ war. Zweitens bietet der veröffentlichte Teilkorpus bekannter Zeichen - verfügbar in der Literatur von Dayrell, Talbot und späteren Feldforschungen - eine Kontrolle gegen Zeichen, die keiner dokumentierten nsibidi-Form entsprechen, was entweder auf undokumentierte regionale Varianten oder, im Falle von kürzlich hergestellten Stücken, auf erfundene Markierungen hinweisen kann, die esoterische Bedeutung ohne authentische Grundlage signalisieren sollen.