Tchitcheri sakwa (Stammesgründer und Ahnherr)
Die großformatige Moba tchitcheri (80-160 cm), die einen Ahnen des Gründungsclans repräsentiert und am Stammesschrein dauerhaft in die Erde gepflanzt wird.
Innerhalb der Moba-tchitcheri-Typologie bezeichnet sakwa die großformatigen Figuren von etwa 80 bis 160 cm, die eher die Gründungsvorfahren einer Sippe oder eines Stammes als kürzlich verstorbene Verwandte verkörpern. Schon ihre Größe signalisiert ihre Autorität: Ein tchitcheri sakwa ist kein Haushaltsgegenstand, sondern ein Gemeinschaftsobjekt, das von den Stammesältesten gepflegt und an einem zentralen Schrein im Freien oder auf einem Gelände aufgestellt wird, das allen Mitgliedern der Abstammungsgruppe zugänglich ist. Das bestimmende Merkmal der Verwendung ist ihre Aufstellung direkt in der Erde, mit pfahlartigen Beinen, die in den Boden getrieben werden, so dass die Figur buchstäblich im Bereich des Ahnen verwurzelt ist. Diese Einbettung führt zu den charakteristischen physischen Spuren - erodierte und verrottete Sockel, in die Maserung eingedrückte Erdkruste -, die echte gebrauchte Sakwa von Reproduktionen unterscheiden.
Die sakwa-Figur dient als Kristallisationspunkt für kollektive Bitten: landwirtschaftliche Fruchtbarkeit, Schutz vor Unglück, Beilegung von Familienstreitigkeiten und Fürsprache des Gründergeistes für alle lebenden Nachkommen. Felddokumente belegen, dass der Zugang zu der Figur und das Recht, an ihr Opfer darzubringen, vom Rang der Abstammungslinie abhängen; sie ist kein privates Andachtsobjekt, sondern ein Instrument kollektiver Ahnenverhandlungen. Monumentale tchitcheri sakwa mit dokumentierter Schreinherkunft - erkennbar an starker Bodenerosion, schwerer Trankopferkruste und, wo vorhanden, stark verrosteten Eiseneinbänden - stellen die höchste Stufe der Moba-Skulpturenproduktion dar und sind die von ernsthaften Sammlern am meisten gesuchten Objekte.