Tengsoba (Erdpriester)
Der rituelle Hüter des Landes bei den Nyonyosi, der aus autochthonen Abstammungslinien stammt und zwischen der lebenden Gemeinschaft und den spirituellen Kräften der Erde vermittelt.
Der tengsoba (Plural tengbisi; Mòoré/Foulse: teng = Erde, soba = Herr oder Besitzer) hat das älteste sakrale Amt auf dem burkinischen Plateau inne. Als Nachfahre der ersten Siedler überlebte die Autorität des tengsoba über die spirituelle Fruchtbarkeit des Landes die Eroberung durch die Mossi im 15. bis 16. Jahrhundert unbeschadet: Der eintreffende Nakomse-Kavallerieadel konnte zwar politische Souveränität beanspruchen, aber keine landwirtschaftliche Saison, keine neue Dorfgründung und kein kollektives Ritual konnte ohne die Fürsprache und Zustimmung des Erdpriesters beginnen. Christopher D. Roys Art of the Upper Volta Rivers (1987) und Michel Izards historische Analysen des Mossi-Staates identifizieren beide das Tengsoba-Amt als strukturelle Erklärung für die kulturelle Persistenz der Nyonyosi innerhalb eines dominierten politischen Rahmens.
Innerhalb der materiellen Grabkultur gehörte das Grab des tengsoba zu den am aufwendigsten gekennzeichneten in der Nekropole von Nyonyosi. Die größten und am sorgfältigsten bearbeiteten Steinmonumente (kug-tiise) wurden eigens über den Gräbern der tengbisi und ihrer nahen Verwandten errichtet, um den fortwährenden Anspruch des Erdpriesters auf das Territorium auch nach dem Tod zu kodieren. Der Begriff ist daher für jede ernsthafte Zuschreibung von Nyonyosi-Steinmetzarbeiten unverzichtbar: Die Prestigeebene des Korpus ist untrennbar mit der tengsoba-Funktion verbunden.