MAHONGWE Bwete Reliquienfigur (mit Draht umwickelt, Mitte 20. Jh.)
Diese schlanke, abstrakte Figur besteht aus einer blattförmigen Holzarmatur, die sorgfältig und eng mit horizontalen Bändern aus dünnem Messing- und Kupferdraht umwickelt ist. Sie weist subtile geometrische Gesichtszüge und einen ausladenden, zylindrischen Hals auf. Der Metalldraht weist eine starke, dunkle, unpolierte Oxidation auf.
1. Ästhetischer Stil und regionale Eigenheiten
Die Mahongwe, die eng mit dem Volk der Kota in Gabun verwandt sind, schufen eine der am stärksten abstrahierten Kunstformen Afrikas. Dieses als Bwete-Reliquiar bekannte Objekt verzichtet weitgehend auf anatomischen Realismus und übersetzt die menschliche Identität in ein flaches, zweidimensionales Schild aus Metall. Die Präzision, mit der der hölzerne Kern mit zahlreichen parallelen Strängen aus Messing- und Kupferdraht umwickelt wurde, ist bemerkenswert. Die subtile Einbeziehung von Augen und Nase, die in der metallischen Geometrie liegen, verleiht dem Objekt eine besondere, ausdrucksstarke Präsenz.
2. Rituelle Funktion und Geheimbund-Kontext
Diese Metallfiguren waren traditionell dem Geheimbund Bwete vorbehalten. Sie waren in der Regel nicht dazu bestimmt, frei zu stehen; der untere Holzpflock wurde traditionell in einen zylindrischen Rinden- oder geflochtenen Korb (nsughu) gesteckt, der die Gebeine der Ahnen enthielt. In Heiligtümern aufbewahrt, dienten die reflektierenden Messing- und Kupferteile nach traditioneller Vorstellung als spiritueller Schutz, der schädliche Kräfte ablenken und gleichzeitig den Status der Familie widerspiegeln sollte.
3. Physische Patina und Altersnachweis
Die Patina dieses Stücks, das stilistisch in die Mitte des 20. Jahrhunderts eingeordnet werden kann, spricht für eine rituelle Nutzung. Die Messing- und Kupferdrähte wurden keiner modernen kommerziellen Politur unterzogen; sie weisen eine tiefe, komplexe Anlauffarbe auf, die von dunklem Olivgrün bis zu oxidiertem Schokoladenbraun reicht. Der Holzpflock an der Basis weist Reibungsverschleißerscheinungen und eine trockene, gealterte Oberfläche auf, was auf ein wiederholtes Einsetzen in und Entnehmen aus einem Reliquienkorb hindeuten kann.
Zusammenfassung
Dieser Mahongwe Bwete-Reliquienschrein gilt als ein markantes Beispiel gabunischer Abstraktion, das die metallische Reflexion als Form des rituellen Schutzes nutzt. Die sorgfältige Drahtumwicklung und die tief sitzende Oxidation machen ihn zu einem eindrucksvollen Zeugnis dieser Form der Ahnenverehrung.
