SammlungAfrican Art Archive
Notizen

LUBA/HEMBA Weibliches Kalebassen-Wünschelrutengefäß (Kabila, 27 cm)

Eine fein geschnitzte weibliche Halbfigur aus Holz mit klassischem, heiterem Gesicht und ausgeprägten Brüsten, die aus der Spitze eines natürlichen Kalebassenkürbisses herausragt. Die Basis der Figur ist von einem dicken Kragen aus Federn und gewebten Fasern umgeben, und das Holz trägt eine dunkle, rauchige Patina.

1. Ästhetischer Stil und regionale Eigenheiten

Dieses Objekt verbindet bildhauerische Kunst mit natürlichen, funktionalen Materialien. Die fein ausgearbeitete weibliche Figur - mit der idealisierten, heiteren Schönheit und der komplexen Frisur, die für die Luba- oder Hemba-Schnitzerei typisch ist - dient als Verschluss oder Brennpunkt der Kalebasse. Damit wird der weibliche Körper oft als symbolisches Gefäß des Lebens interpretiert, das die in der Kalebasse vermuteten Kräfte schützt. Die Luba/Hemba-Behandlung des weiblichen Gesichts betont durchweg eher Gelassenheit als Wachsamkeit und signalisiert eher eine Fürsprache- als eine Beschützerfunktion.

2. Rituelle Funktion und Verwendung für Weissagungen

In der Luba/Hemba-Gesellschaft waren Kalebassen mit geschnitzten Figuren (kabila) bedeutende rituelle Gefäße. Sie wurden von Bilumbu-Wahrsagern oder königlichen Medien verwendet, um mboko - weiße Kaolin-Erde, Heilkräuter oder andere rituell genutzte Substanzen - aufzubewahren. Während der Rituale griff der Wahrsager auf den Inhalt der Kalebasse zu und benutzte die weibliche Figur als spirituelles Medium, um mit den Ahnen und der Geisterwelt zu kommunizieren. Die Kalebasse selbst ist in ihrer Funktion wichtig - ihre organische Form gilt als wesentlicher Bestandteil der rituellen Identität des Objekts.

3. Physische Patina und Altersnachweis

Die komplexe Materialzusammensetzung spricht für ein rituell genutztes Objekt. Der Kragen aus gealterten Federn und gewebten Fasern weist auf eine aktive rituelle Bekleidung hin. Darüber hinaus zeigt die Holzfigur eine dunkle, leicht verkrustete, rauchgeschwängerte Patina, was nahelegt, dass sie in den Dachsparren einer traditionellen Wohnung oder eines Schreinraums aufbewahrt worden sein könnte, wo sie über längere Zeit Herdfeuern und Rauch ausgesetzt war. Die kombinierte Patina des Holzes, der Kalebasse, der Federn und der Fasern ist vereinbar mit einer über einen längeren Zeitraum gewachsenen Alterung aller zusammengesetzten Elemente.

Zusammenfassung

Ein symbolträchtiges und fein zusammengesetztes Luba/Hemba-Wahrsagegefäß, das die klassische idealisierte Schnitzerei mit der funktionalen Bedeutung der Kalebasse verbindet. Der Federschmuck und die ausgeprägte Rauchpatina machen es zu einem bemerkenswerten ethnografischen Objekt.

Weitere Werke der Sammlung