Tikar (Etikett mit Handelsbezeichnung)
Ein Markt- und Katalogbegriff, der lose auf Messing mit verlorenem Wachs und andere Grassfields-Materialien aus Kamerun angewandt wird und einen dynastischen Ursprungsmythos mit einer Kunstzuschreibungskategorie vermengt.
Im akademischen Sprachgebrauch bezeichnet "Tikar" eine dynastische Abstammung, die von mehreren zentralisierten Häuptlingstümern des kamerunischen Graslandes beansprucht wird, insbesondere von denen der Ndob-Ebene, deren Herrscherlinien ihre Abstammung auf eine Gründungsmigration der Tikar aus der Adamawa-Hochebene zurückführen. Tamara Northerns The Art of Cameroon (1984) begründete diese eher genealogische als ethnische Lesart: Die Tikar-Identität ist die einer adligen Abstammung, nicht die einer einheitlichen Kultur mit einer begrenzten materiellen Tradition. In den ethnographischen Aufzeichnungen ist keine einzelne kunstproduzierende Gemeinschaft der Tikar dokumentiert.
Auf dem Kunstmarkt und bei Auktionen fungiert "Tikar" jedoch als regionaler Sammelbegriff für Messingpfeifen, figürliche Gussstücke und zeremonielle Objekte, die in zahlreichen Häuptlingstümern der Grassfields - Bamum, Babanki Tungo, Bamessing, Nso und anderen - hergestellt werden, deren Werkstatttraditionen sich in Ikonografie, Technik und höfischem Kontext unterscheiden. Jahrhunderts als Prestigesymbol für eine alte höfische Manufaktur durchgesetzt und hält sich trotz wissenschaftlicher Kritik hartnäckig. Sammlern und Kuratoren, die mit Objekten arbeiten, die als "Tikar" katalogisiert sind, wird empfohlen, die Zuschreibung als "Cameroon Grassfields, chiefdom unspecified" zu betrachten und eine genauere Zuschreibung anhand von dokumentierten Vergleichssammlungen zu suchen, sofern der formale Charakter und die Herkunft des Objekts dies zulassen.