YORUBA Egungun Maske (Zoomorphic, KOPFSKULPTUREN S.96, Französische Botschaft)
Diese auffällige hölzerne Helmmaske ist in Form eines kolossalen Fledermaus- oder Hasenkopfes geschnitzt, mit massiven, aufrecht stehenden, blattförmigen Ohren, hervorstehenden, gefletschten Zähnen und einem geschnitzten Kopfknoten. Das dunkle Holz ist stark verkrustet und weist eine abgenutzte Opferpatina auf, die die aggressiven, zoomorphen Züge betont.
1. Ästhetischer Stil und regionale Eigenheiten
Dieses Stück stellt einen höchst ungewöhnlichen, stark zoomorphen Ausdruck der Yoruba-Schnitzkunst dar. Während viele Egungun-Masken menschliche Gesichter mit kleinen tierischen Elementen zeigen, dominiert bei dieser Maske das tierische Totem - wahrscheinlich eine Fledermaus oder ein Hase - die Komposition vollständig. Die massiven, ausladenden Ohren vermitteln eine Aura von Wachsamkeit und übernatürlichem Gehör, während die gefletschten Zähne und die aggressive Schnauze an die wilden, ungezähmten Kräfte des tiefen Busches erinnern. Der Schnitzer hat das schwere Volumen der Schnauze meisterhaft mit dem aufsteigenden, negativen Raum der Ohren ausgeglichen.
2. Rituelle Funktion und Geheimbund-Kontext
Die Egungun-Gesellschaft ist dafür zuständig, die Geister der Ahnen zu ehren und zu manifestieren. Während der jährlichen Feste tanzen Maskenbildner in aufwändigen, vielschichtigen Stoffkostümen durch die Stadt. Masken mit aggressiven Tiermotiven werden oft mit Jägern in Verbindung gebracht oder sollen flüchtige, mächtige Buschgeister verkörpern, die von den Ahnen zum Schutz der Gemeinschaft eingesetzt wurden. Die wilden Zähne und großen Ohren dienen dazu, böse Mächte und Hexen von den Dorfgrenzen zu verscheuchen.
3. Physische Patina und Altersnachweis
Die Provenienz dieser Maske, die in der kanonischen Literatur veröffentlicht und ausgestellt wurde, garantiert ihre hohe Authentizität. Die physische Patina ist ein weiterer Beweis für ihr Alter. Das Holz ist mit einer dicken, geschwärzten und verkrusteten Schicht aus Opferölen und Ruß gesättigt. Der innere Rand der Helmbasis ist stark geglättet und leicht abgesplittert, was darauf zurückzuführen ist, dass er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kräftig auf dem Kopf eines Egungun-Darstellers getanzt wurde.
Zusammenfassung
Diese Yoruba-Egungun-Helmmaske ist eine atemberaubende, heftig zoomorphe Abweichung von der üblichen nigerianischen Porträtdarstellung. Ihre massiven, wachsamen Ohren in Kombination mit ihrer prestigeträchtigen Veröffentlichungsgeschichte und der tief behandelten Patina machen sie zu einem wahren Museumsschatz.



