KARIM Schultermasken (Paar 125A+125B - Benoue River Basin, Nigeria)
Ein Paar hoher, stark abstrahierter Holzmasken mit kleinen, stilisierten Köpfen, die auf langen, säulenartigen Hälsen und Basen ruhen. In den geschnitzten geometrischen Vertiefungen sind Spuren von weißem und rotem Pigment sichtbar.
1. Ästhetischer Stil und Abstraktion des Benoue-Flusses
Diese Objekte werden dem Volk der Karim aus dem Benoue-Flussbecken im Nordosten Nigerias zugeschrieben. Die Ästhetik teilt eine ausgeprägte geometrische Abstraktion mit ihren Nachbarn, den Mumuye. Die traditionelle menschliche Form wird gestreckt und auf ihre grundlegenden Strukturelemente reduziert: eine lange, zylindrische Basis, die einen scharf geschnitzten, zierlichen Kopf trägt. Die Verwendung von tiefen, kontrastreichen Einschnitten, die mit rotem Ocker und weißen Kaolinpigmenten hervorgehoben werden, verleiht den Masken eine starke, grafische Präsenz, die bei Festen im Freien aus der Ferne lesbar sein soll.
2. Rituelle Funktion und landwirtschaftliche Maskerade
Da es nur sehr wenig Literatur über die Karim-Traditionen gibt, ist die Funktion dieser Masken vor allem durch mündliche Überlieferungen bekannt. Es soll sich um architektonische Darbietungen handeln, die entweder schwer auf den Schultern des Tänzers ruhen oder bei denen der Tänzer seinen Kopf direkt in den ausgehöhlten Sockel "steckt". Sie treten bei großen landwirtschaftlichen Festen und Ahnenverehrungsriten auf und überragen die Menschenmenge. Das abstrakte Design verwandelt den Tänzer in einen überragenden, übernatürlichen Waldgeist, der die Ernte segnet und das kosmische Gleichgewicht aufrechterhält.
3. Patina, Materialverwitterung und Alterungsspuren
Das Holz ist trocken, leicht und gleichmäßig gealtert und zeigt den für Weichhölzer, die über längere Zeit Witterungseinflüssen ausgesetzt waren, typischen Zellabbau. Die polychromen Pigmente sind stark verblasst, kreidig und tief in die Holzfasern eingedrungen, ohne deutliche Anzeichen von modernen synthetischen Bindemitteln zu zeigen. Die Innenränder, an denen die Maske am Körper des Tänzers anliegt, weisen glatte, oxidierte Reibungsverschleißerscheinungen auf, was eine Verwendung als aktiv getanzte, historische Artefakte nahelegt.
Zusammenfassung
Diese Karim-Schultermasken sind markante Beispiele der nigerianischen geometrischen Abstraktion. Ihre hoch aufragende Vertikalität und ihre charakteristische, verblasste Patina machen sie zu bemerkenswerten Zeugnissen der performativen Traditionen des Benoue-Flussbeckens.

