BAKONGO Nkonde-Nagelfigur (130 cm - Liba Village, traditionell als Gerichtsinstrument eingeordnet)
Eine 130 cm große männliche Holzfigur, die mit den Händen in den Hüften steht. Ihr Torso ist von zahlreichen Eisennägeln durchbohrt, und ihre Augen und Bauchhöhle sind mit Glasspiegeln verschlossen.
1. Ästhetischer Stil und die Visage des Jägers
Dieses großformatige Objekt aus dem Kongobecken zeigt die Merkmale einer klassischen nkonde-Figur. In der Literatur, etwa bei Hornek, wird darauf hingewiesen, dass der Begriff von dem Verb "konda" (jagen) abgeleitet ist, was auf die primären Funktionen der Figur hindeutet: die Abwehr von Unheil sowie die Aufrechterhaltung von Ordnung und Gesetz. Die Ästhetik ist darauf ausgelegt, rituelle Macht auszustrahlen. Die zugrunde liegende Holzschnitzerei zeigt ein ausgeprägtes, naturalistisches Gesicht, während der Körper durch die Anhäufung von gehämmertem Eisen verdeckt wird. Das verspiegelte Glas in den Augen und der Bauchhöhle (Bilongo) soll es dem Wesen ermöglichen, die irdische Welt zu betrachten und gleichzeitig in die Welt der Geister und Ahnen zu blicken.
Eine Anmerkung zur Terminologie: In Fachpublikationen wie jenen von Hornek wird die abwertende westliche Verwendung des Begriffs "Fetisch" (von portugiesisch feitiço, lateinisch facticius - bedeutet künstlich, magisch) kritisiert. Er zitiert den Religionsethnologen J.F. Thiel: "Mit diesem Begriff wurde den so genannten 'Naturvölkern', insbesondere den Völkern Afrikas, großes Unrecht zugefügt." Vorgeschlagen wird stattdessen die lokale Terminologie (nkonde) oder neutrale Alternativen.
2. Rituelle Funktion und der Eiserne Eid
Wie in der Literatur, unter anderem von Hornek, beschrieben wird, ist das nkonde in den von den BaKongo, Vili und Yombe bewohnten Gebieten nahe der Mündung des Kongo-Flusses zu finden. Der traditionellen Vorstellung nach entfaltet die Figur ihre Wirkung erst, wenn sie vom ndanga (Ritualspezialist) aktiviert wird. Das überlieferte Aktivierungsritual wird oft wie folgt beschrieben: Der ndanga erklärt den Grund für die Bitte und wendet sich an den entsprechenden Geist, während er verschiedene Substanzen auf die Figur spuckt und rote und weiße Tonerde, Kolanüsse und andere Materialien auf das Gesicht der Figur, auf den Spiegel und auf das Gefäß mit den rituellen Substanzen reibt. Dadurch soll die der Figur innewohnende Kraft stimuliert werden. Untersuchungen, wie jene von Hornek, weisen auf ein sogenanntes Nagel-Mapping hin, bei dem bestimmte genagelte Körperteile an der Figur den betroffenen Körperteilen des Adressaten entsprechen sollen.
3. Patina, Materialverwitterung und Altersnachweis
Die Patina spricht für eine intensive rituelle Nutzung. Die Eisennägel weisen tiefen, stabilen dunklen Rost auf, von denen viele im gealterten Holz eingebettet sind. Die verspiegelten Augen und die Bauchhöhle sind trüb und weisen Rückstände auf, die mit den rituellen Handlungen des ndanga assoziiert werden. Diese ausgeprägte, verwitterte Oberfläche legt eine langjährige rituelle Verwendung nahe.
Zusammenfassung
Dieses großformatige Bakongo-Nkonde gilt als ein bedeutendes Zeugnis der zentralafrikanischen Gerichtsmagie. Sein rostiger, mit Nägeln besetzter Torso, seine trüben Spiegel und die Oberflächenspuren verweisen auf die traditionellen, gesetzeserzwingenden Rituale der BaKongo, Vili und Yombe an der Mündung des Kongo-Flusses.

Kraftfigur

Kommunale Kraftfigur

Tieraltar Kraftfigur
