BULU Seltene Affenreliquie/Powerfigur mit verborgenem Hohlraum (Ngi-Gesellschaft, Kamerun, 1. Hälfte 20. Jh., 56 cm)
Diese massive, 56 cm große Holzfigur stellt einen kräftigen, stehenden Affen mit einem hervorstehenden Phallus dar, dessen Körper fest in ein Netz aus gealterten organischen Fasern eingebunden ist. Ein versteckter, ausgehöhlter rechteckiger Hohlraum in seinem Rücken gibt den Blick frei auf einen kleineren, sekundären Affenschädel oder einen geschnitzten Kopf, der sich darin befindet. Er ist mit einer dunklen, krustigen Patina überzogen.
1. Ästhetischer Stil - Simianische Ikonographie und die Ngi-Gesellschaft
Die Bulu (eng verwandt mit dem Fang-Komplex in Südkamerun) verwenden Gorilla- und Schimpansenbilder, um die rohe, überwältigende und furchterregende Kraft des tiefen Dschungels darzustellen. Im Gegensatz zu den heiteren, idealisierten menschlichen Vorfahren der Standard-Fang-Byeri-Figuren projiziert dieser stehende Affe aggressive, muskulöse Dominanz und Hyper-Männlichkeit. Die schwere, gebückte Haltung, die tiefliegenden Augen und die gefletschten Zähne sollen einschüchtern und die verheerende physische Kraft der Menschenaffen in eine Waffe der sozialen Verteidigung verwandeln.
2. Rituelle Funktion - Ausrottung der Hexerei und der verborgene Reliquienschrein
Diese außergewöhnliche Figur war der zentrale Vertreter des Geheimbundes der Ngi (Gorillas), eines mächtigen Kultes, der sich ausschließlich der Jagd und Vernichtung bösartiger Zauberer widmete. Das markante Merkmal dieser Figur ist die verborgene, rechteckige Reliquienkammer, die in den Rücken der Figur geschnitzt ist und einen kleineren Schädel oder geschnitzten Kopf enthält. Dieser Hohlraum diente der rituellen Praxis nach zur Aufnahme der magischen Ladung (Bishimba). Dem Glauben nach hielt der Priester diese Energie im Inneren des hölzernen Affen rituell gebunden, indem er die Figur in ein komplexes Netz aus Fasern einband, um sie im Bedarfsfall einzusetzen.
3. Physische Patina - ausgetrocknete Fesseln und verkrustete Machtpatina
Die materielle Komplexität dieses Stücks stützt eine Datierung in das frühe 20. Jahrhundert. Die dichte Holzarmatur ist mit einer dicken, rußverschmierten und öligen Opferkruste überzogen, was auf eine intensive Nutzung in rauchgefüllten, aktiven Schreinen hinweist. Das komplizierte Netz aus organischen Fasern, das den Körper umhüllt und die Reliquienhöhle sichert, ist weitgehend erhalten. Diese Fasern sind stark ausgetrocknet, spröde und mit der gleichen dunklen Patina wie das Holz überzogen, was dafür spricht, dass die rituelle Anordnung des Objekts über lange Zeit unberührt blieb.
Zusammenfassung
Diese monumentale Bulu-Affenfigur ist eine ausdrucksstarke Manifestation der Macht des Dschungels und diente der Ngi-Gesellschaft der Überlieferung nach als Instrument gegen Hexerei. Ihre verborgene Reliquienhöhle und die stark ausgetrockneten Bindungen machen sie zu einem bedeutenden ethnografischen Zeugnis dieser Tradition.

