BAGA Zoomorphe Schreinfigur
Eine große polychrome Holzfigur (spätes 20. Jh., 132 cm) der Baga aus Guinea – ein stark stilisierter Vogel mit langem Schnabel (wahrscheinlich ein Pelikan), der mit lebhaften geometrischen Mustern bemalt ist. Ein kleines, in den Nacken geschnitztes menschliches Gesicht verweist auf die synkretistische Ikonografie der bekannten A-Tshol- oder Elek-Schreinhüter.
1. Der mythische Vogel (A-Bamp / Kumbaduba)
Die Baga, die in den sumpfigen Küstenregionen Guineas leben, machen in ihren Geheimgesellschaften regen Gebrauch von der Symbolik der Wasservögel.
- Das Opfer des Pelikans: Diese Figur stellt den Pelikan dar, der in der lokalen Mythologie wegen seiner schützenden und nährenden Eigenschaften verehrt wird. Die Legende besagt, dass der Pelikan während einer Dürre seine eigene Brust durchsticht, um seine Jungen mit seinem Blut zu ernähren, was ihn zum ultimativen Symbol für mütterliche Aufopferung und das Überleben der Gemeinschaft macht.
2. Polychrome Vitalität
Im Gegensatz zu den dunklen, rußverschmierten Patinas der Tiefwaldstämme oder den stark verwitterten „survivor pieces“, die Sékou Tourés rigorose Anti-Fetischismus-Kampagne (1956–1984) überstanden, ist diese Baga-Figur hell bemalt. Die makellose, leuchtende Polychromie aus modernen, synthetischen Industriefarben (rot, blau, gelb, grün), die in ausgeprägten Zickzack- und Blockmustern aufgetragen wurden, sowie das Fehlen einer tiefen rituellen Opferpatina weisen sie eindeutig als ein Objekt aus dem späten 20. Jahrhundert aus. Es entstand höchstwahrscheinlich im Zuge der kulturellen Wiederbelebungsbewegung der Baga ab den 1990er Jahren – wo es bei fröhlichen, öffentlichen Feiern von landwirtschaftlichen Erträgen und Initiationsabschlüssen verwendet wurde – oder wurde gezielt für den Kunstmarkt geschaffen.
Zusammenfassung
Diese Baga-Vogelfigur ist ein überragendes, lebhaftes Emblem des Lebens und der Pflege. Mit einer Größe von über 130 cm, seiner hellen polychromen Oberfläche und seiner mythischen Ikonographie wurde er entworfen, um die Ernte zu segnen und den Fortbestand der Gemeinschaft zu feiern.



