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Notizen

ATIE Weibliche Ahnenstatue (überlängter Hals, 104 cm)

Diese hoch aufragende weibliche Holzfigur steht starr mit verlängerten Armen, die neben ihrem Bauch ruhen. Sie zeichnet sich durch einen außergewöhnlich langen, beringten Hals, eine markante Kammfrisur und sehr detaillierte, erhabene Skarifikationsmuster auf ihrem Oberkörper aus. Das dunkle Holz weist eine schöne, glänzende Reibungspatina auf.

1. Ästhetischer Stil und regionale Merkmale

Die Atie (oder Attie), die geografisch und kulturell mit den Baule in der Elfenbeinküste verwandt sind, sind für ihre ausgeprägte, elegante Überlängung bekannt. Der massiv gestreckte, beringte Hals steht im Mittelpunkt und symbolisiert Fettrollen - ein regionales Ideal für aristokratischen Wohlstand, Gesundheit und höchste körperliche Schönheit. Die sorgfältigen, erhabenen geometrischen Skarifikationen, die den Oberkörper bedecken, und die komplexe, fein geschnittene, gelappte Frisur spiegeln die gesellschaftliche Mode der Elite wider. Die starre Frontalität und das Fehlen von Gesichtsausdruck vermitteln eine ruhige, unnahbare und ewige Würde.

2. Rituelle Funktion und Geheimbundkontext

Mit einer Höhe von über einem Meter dient diese monumentale Skulptur als n'gba oder übergeordnete Ahnenfigur. Diese Figuren werden in speziellen, dunklen Schreinen aufbewahrt, die von den Oberhäuptern der Ahnenreihe überwacht werden, und fungieren als wichtige Vermittler zwischen der lebenden Gemeinschaft und der mächtigen Geisterwelt. In Krisenzeiten, bei Krankheit oder in landwirtschaftlichen Notzeiten bringen die Dorfältesten der Statue Gebete, Salbungen und Trankopfer dar und bitten um den schützenden, generativen Segen der idealisierten Matriarchin, um das Überleben und die Fruchtbarkeit des Clans zu sichern.

3. Physische Patina und Altersnachweis

Der Zustand des Holzes spricht für eine sorgfältige, pietätvolle und kontinuierliche Pflege, die auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hindeuten kann. Die tiefschwarze, glasige Oberfläche zeigt die Merkmale einer ausgeprägten Reibungspatina, wie sie sich über Jahrzehnte hinweg durch wiederholtes Einreiben mit Palmöl und rituellen Gebrauch bildet. Die Kanten der erhabenen Körperskarifikationen und die Gesichtszüge wurden durch diese kontinuierliche Behandlung sanft abgerundet – eine Oberflächenqualität, die sich deutlich von künstlichen Behandlungen unterscheidet.

Zusammenfassung

Diese monumentale Ahnenstatue der Atie bietet einen eindringlichen Ausdruck idealisierter Schönheit und ausgeprägter vertikaler Eleganz der Elfenbeinküste. Ihre detailreichen erhabenen Skarifikationen und die tiefe, glasartige Reibungspatina sprechen für eine bedeutende Rolle im Kontext der matrilinearen Schreinverehrung.