SammlungAfrican Art Archive
Notizen

BENIN Altar-Reiterfigur (Spät-Benin, 53 cm)

Diese monumentale Figur aus Bronzeguss stellt einen Edo-Krieger oder -König dar, der auf einem stilisierten Pferd oder Maultier reitet. Er ist schwer bewaffnet mit einem runden Schild und einem Speer/Stock und trägt einen aufwändigen, hoch aufragenden, gestuften Kopfschmuck. Das Objekt ruht auf einem rechteckigen, durchbrochenen Sockel und weist eine dicke, dunkle, oxidierte Patina auf.

1. Ästhetischer Stil und regionale Merkmale

Dieses 53 cm hohe Stück zeigt eine anspruchsvolle Ausführung des Wachsausschmelzverfahrens im Stil der Edo-Zeit und spiegelt die dichte, hochdetaillierte und hierarchische Ästhetik wider, die mit den königlichen Igun-Eronmwon-Gilden assoziiert wird. Der Fokus liegt auf dem Prestige, der Rüstung und der betonten Größe des menschlichen Reiters. Das Pferd, ein im Waldreich geschätztes Tier, wird mit stilisierten Proportionen dargestellt, sodass die schwer bewaffnete menschliche Figur im Mittelpunkt steht. Die detaillierte Ziselierung des Kettenhemdes, des Schildes und des massiven, federartigen Kopfschmucks schafft eine strukturierte Oberfläche, die die visuelle Präsenz des Objekts unterstreicht.

2. Rituelle Funktion und Geheimbund-Kontext

Reiterfiguren in der Benin-Kunst gelten als bedeutende Symbole für militärische Erfolge, territoriale Expansion und herrschaftliche Legitimation. Sie stellen vermutlich historische Könige (wie den Oba Esigie) oder verbündete Kriegsherren dar. Diese schweren Bronzefiguren wurden traditionell auf den halbkreisförmigen Ahnenaltären des Königspalastes aufgestellt und dienten als Repräsentationen der kriegerischen Vorherrschaft des Herrscherhauses. Sie bildeten den Mittelpunkt für rituelle Handlungen während des Igue-Festes zur Erneuerung der spirituellen Kraft des Reiches.

3. Physische Patina und Altersnachweis

Die schwere Bronzematrix wird stilistisch der späten Benin-Periode zugeordnet und zeigt Merkmale einer ausgeprägten metallurgischen Alterung. Sie weist eine dicke Schicht aus dunkler schokoladenbrauner und olivgrüner Oxidation auf, die sich in den komplexen, ziselierten Vertiefungen der Rüstung und des Kopfschmucks abgesetzt hat. Der rechteckige, durchbrochene Sockel zeigt neben unregelmäßigen Gussfehlern auch Kantenabnutzungen, die mit einer langjährigen rituellen Nutzung und Platzierung auf Altären vereinbar sind.

Zusammenfassung

Diese monumentale Reiterfigur aus Benin-Bronze ist eine eindrucksvolle Darstellung herrschaftlicher Repräsentation im Stil der Edo-Zeit und zeigt eine anspruchsvolle Umsetzung des Wachsausschmelzverfahrens. Die detailreiche, hoch aufragende Rüstung und die ausgeprägte Patina machen sie zu einem seltenen und repräsentativen Beispiel des westafrikanischen Königtums.

Weitere Werke der Sammlung