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Notizen

INLAND NIGER DELTA (Djenné) Reiter mit Pockennarben (12.-16. Jh., 13 cm)

Eine komplexe Bronze, die einen Reiter darstellt, der vollständig von erhabenen kugelförmigen Knötchen oder "Pockennarben" umhüllt ist. Das stark stilisierte Pferd und der Reiter sind miteinander verschmolzen und mit einer dicken, krustigen archäologischen Patina überzogen.

1. Ästhetischer Stil und regionale Merkmale

Dieses Artefakt vereint zwei der stärksten visuellen Symbole in der Kunst des Nigerdeltas (Djenné): die prestigeträchtige Reiterfigur und die viszerale Ikonographie der Krankheit. Die erhabenen Knötchen, die Reiter und Pferd bedecken, stellen wahrscheinlich die Symptome von Pocken, Lepra oder Furunkeln dar. Die Kombination dieser Pusteln mit einem bedeutenden Symbol für Reichtum und Macht (dem Pferd) verweist auf die wahllose Natur von Krankheit und göttlicher Bestrafung. Die Verschmelzung von Pferd und Reiter zu einer einzigen visuellen Masse ist selbst ikonografisch bedeutsam - sie signalisiert, dass die Krankheit sowohl den Menschen als auch das Reittier als einheitliches Leiden verzehrt hat.

2. Rituelle Funktion und apotropäische Magie

In einer Gesellschaft, die häufig von Epidemien heimgesucht wurde, wurden Figuren wie diese von spezialisierten Schmieden und Heilern geschmiedet und dienten vermutlich als apotropäische Hilfsmittel. Nach dem Prinzip der Mitleidsmagie verkörpert das Objekt die Krankheit physisch, um sie einzufangen und so die Gemeinschaft, den Häuptling oder den Besitzer des Schreins vor dem eigentlichen körperlichen Leiden zu schützen. Die Einrahmung zu Pferde verortet diese Schutzmagie speziell auf der Elitenebene - der Auftraggeber eines solchen Stücks konnte es sich leisten, das Ritual zum Schutz vor Epidemien auf Haushaltsebene durchzuführen.

3. Physische Patina und Altersnachweis

Die Oberfläche dieses Stücks spricht für ein hohes Alter. Die Bronze ist stark zerklüftet und von einer dicken Malachit- (grün) und Cuprit-Oxidation (rot) überzogen, was darauf hindeuten kann, dass sie über lange Zeiträume in den schwankenden Grundwasserspiegeln der malischen Erde lag. Diese nicht restaurierte Grabkruste stützt eine Datierung des Objekts in den archäologischen Horizont des 12. bis 16. Jahrhunderts. Die Korrosion durchdringt das Metall, anstatt es zu überziehen – ein Befund, der für eine jahrhundertelange Vergrabung spricht.

Zusammenfassung

Diese Bronze ist eine bemerkenswerte Arbeit der malischen Metallurgie, die die Themen des elitären Reiterprestiges und der Realität einer epidemischen Krankheit miteinander verbindet. Die ausgeprägte archäologische Patinierung und der komplexe Guss machen sie zu einem historisch bedeutenden Objekt.

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