SammlungAfrican Art Archive
Notizen

WE Maske mit Tierhörnern und Faserbart (Erwerb Marché aux Puces 1957, 24 cm)

Eine dunkle, furchterregende Holzmaske mit vorspringender Stirn, röhrenförmigen Augen, echten, oben angebrachten Tierhörnern, einem offenen Mund mit großen, eckigen Zähnen und einem dichten Bart aus Naturfasern und Tierhaaren.

1. Ästhetischer Stil und regionale Eigenheiten

Das Volk der We (Guere) legt Wert auf eine akkumulative, furchterregende Ästhetik, die den Betrachter schockieren und überwältigen soll. Der Kern der Holzschnitzerei - ohnehin schon aggressiv mit seinen wulstigen Augen und der vorspringenden Stirn - wird durch echte Tierhörner und dichtes Tierhaar aggressiv ergänzt. Dieser multimediale Ansatz überträgt die gefährliche, ungezähmte Kraft der Waldtiere physisch direkt auf den Träger. Die akkumulative Methode ist selbst eine regionale Besonderheit: Unsere Masken setzen auf zusammengesetzte Materialien und nicht auf geschnitztes Volumen, um übernatürliche Kraft zu projizieren.

2. Rituelle Funktion und soziale Autorität

Diese Maske verkörpert die Gla, ein mächtiges Wesen, das in Zeiten sozialer Krisen angerufen wird. Sie wurde von hoch eingeweihten Männern getragen, um Gesetze durchzusetzen, schwere innerfamiliäre Konflikte zu lösen und Krieger vorzubereiten. Die Maske stellt keinen Menschen dar, sondern eine chaotische, übernatürliche Kraft, die vorübergehend in das Dorf eindringt, um durch Angst und eine als unanfechtbar geltende Autorität die Ordnung wiederherzustellen. Urteile, die durch die Gla gefällt werden, haben das Gewicht der Geisterwelt und umgehen den normalen Rechtsweg.

3. Physische Patina und Altersnachweis

Die dokumentierte Herkunft dieser Maske - sie wurde 1957 in Paris erworben - ist von großer Bedeutung, da sie einen wertvollen terminus ante quem bietet. Die Maske selbst weist eine tiefe, rauchige Patina auf, die auf eine längere Lagerung in den Dachsparren eines traditionellen Wohnhauses hindeutet. Der ausgetrocknete, brüchige Zustand der Naturfasern und die starke Oxidation des Holzes sprechen dafür, dass die Maske vor ihrer Ankunft auf dem Pariser Markt bei Zeremonien verwendet wurde. Das Datum des Erwerbs im Jahr 1957 stellt einen wichtigen chronologischen Anhaltspunkt dar, wie ihn nur wenige vergleichbare Masken aufweisen.

Zusammenfassung

Eine furchterregende und historisch bedeutende Waldmaske der We, die durch ihre dokumentierte Erwerbsgeschichte aus der Mitte des Jahrhunderts an Bedeutung gewinnt. Ihre intensiven, akkumulativen Materialien und ihre ausgeprägte Rauchpatina sprechen für ein eindrucksvolles Werk der Elfenbeinküste.

Weitere Werke der Sammlung