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Notizen

LOBI Weibliche Bateba Ti Bala Figur mit erhobenen Armen (Burkina Faso, 1. Hälfte 20. Jahrhundert, 30 cm, Holz)

Diese stark verwitterte Holzfigur steht starr mit nach oben und außen erhobenen Armen. Sie hat ein nüchternes, minimal geschnitztes Gesicht und einen markanten, leicht geschwollenen Bauch. Das Holz ist stark ausgetrocknet und weist eine trockene, aschgraue Patina mit tiefen Längsrissen und abgenutzten, aufgeweichten Kanten auf.

1. Ästhetischer Stil - Kinetische Abstraktion des Bateba Ti Bala

Diese Figur gehört zu einer sehr spezifischen und ausdrucksstarken Unterkategorie der Lobi-Statuen, die als Bateba ti bala oder Figuren mit erhobenen Armen bekannt sind. Der Lobi-Schnitzer hat die strenge, passive Vertikalität, die für burkinische Statuen typisch ist, auf brillante Weise durchbrochen, um eine plötzliche, explosive Bewegung zu vermitteln. Die Arme sind in einer dramatischen "V"-Form nach oben gestreckt und verwandeln den ansonsten steifen, minimalistischen weiblichen Körper in eine Architektur der aktiven, kinetischen Verteidigung. Der schlichte, schnörkellose Schnitzstil konzentriert sich ganz auf diese dramatische Geste und betont die spirituelle Handlung gegenüber dem physischen Porträt.

2. Rituelle Funktion - Apotropäische Wächter des Thildu

In der zutiefst animistischen Welt der Lobi ist das Thildu der dunkle, geheime Schreinraum des Familienanwesens, in dem die als Thil bekannten Schutzgeister wohnen. Dieser Bateba ti bala fungiert als lebendiger, übernatürlicher Leibwächter für die Familie. Die erhobenen Arme bedeuten, dass der Geist im Inneren des Holzes aktiv unsichtbare Bedrohungen abwehrt - er blockiert Hexerei, fängt Krankheiten ab oder fängt bösartige Zaubersprüche ab, bevor sie die menschlichen Bewohner des Hauses treffen können. Es ist eine physische Manifestation der psychologischen Verteidigung und spirituellen Kriegsführung.

3. Physische Patina - Extreme Austrocknung und sahelische Verwitterung

Die ästhetische Kraft dieses Stücks wird durch seine extreme taphonomische Degradation noch verstärkt. Im Laufe der Jahrzehnte hat das Hartholz seine innere Feuchtigkeit vollständig abgegeben, was zu tiefen, organischen Schrumpfungsrissen geführt hat, die sich vertikal durch den Rumpf und die Vorderseite ziehen. Die Oberfläche ist nicht poliert, sondern weist die starke, aschgraue Oxidation von Holz auf, das den rauen, trockenen Winden und extremen Temperaturen der westafrikanischen Sahelzone ausgesetzt war. Diese tiefgreifende, natürliche Verwitterung ist ein Zeugnis für sein echtes Alter und seine historische Verwendung in einem traditionellen Lobi-Schrein.

Zusammenfassung

Diese Lobi Bateba ti bala ist eine dramatische Verkörperung aktiver spiritueller Verteidigung, die mit einer explosiven Geste des erhobenen Arms böses Unheil abwehrt. Seine extreme, aschgraue Austrocknung und tiefe Verwitterung machen ihn zu einem auffälligen, höchst authentischen Artefakt des burkinischen Animismus.

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