BOBO Reiterfigur (Mondwappen)
Ein hoch stilisierter hölzerner Bobo-Reiter (84 cm) aus dem 19. Jahrhundert, der Mali zugeschrieben wird - ein schlanker Reiter, der ein Gerät hält und auf einem röhrenförmigen, länglichen Pferd sitzt. Der Kopf des Reiters wird von einem massiven, scheibenförmigen, sagittalen Kamm oder einer Frisur dominiert, das Holz ist vollständig von Pigment oder Öl befreit und weist eine blasse, tief gerissene, vom Wind erodierte, fast versteinerte Oberfläche auf.
1. Voltaische Geometrie und der Mondkamm
Die Bobo verwenden einen strengen architektonischen Schnitzstil, der extreme geometrische Formen dem menschlichen Naturalismus vorzieht.
- Zylinderreduziertes Pferd: Das Pferd ist auf eine Reihe von länglichen Zylindern reduziert, während der Reiter von einem riesigen, abgeflachten, scheibenartigen Wappen auf dem Kopf dominiert wird.
- Kosmisches Symbol des Mondes: Das hervorstechende halbkreisförmige Motiv ist eine klassische Bobo-Ästhetik - es stellt oft den Mond, kosmische Zyklen oder die spezielle Elitefrisur eines hochrangigen Eingeweihten dar und erhebt die Figur von einem bloßen Porträt zu einem kosmischen Symbol.
2. Die Kavallerie der Sahelzone
In der rauen, von Tsetsefliegen heimgesuchten Umgebung der Sahelzone galt der Besitz eines Pferdes als bedeutendes Zeichen für Reichtum, kriegerische Dominanz und aristokratische Abstammung.
- Prestiöses Altarobjekt: Diese 84 cm große Figur war ein sehr prestigeträchtiges Altarobjekt, das in Auftrag gegeben wurde, um einem Stammesgründer oder einem großen Krieger ein Denkmal zu setzen.
- Spirituelle Antenne: In einem Familienschrein platziert, fungierte die Figur als spirituelle Antenne, die es den Lebenden ermöglichte, den mächtigen berittenen Vorfahren um militärischen Schutz, erfolgreiche Jagden und das Eingreifen gegen bösartige Buschgeister zu bitten.
3. sahelische Austrocknung im 19. Jahrhundert
Die Patina gilt als charakteristisches Zeichen für die Aussetzung in der Sahelzone.
- Versteinertes Holz: Das Holz ist im Wesentlichen versteinert - die ständige Einwirkung der sandigen Harmattan-Winde und der brennenden Sonne in der Trockenzeit hat dem Holz alle natürlichen Öle entzogen und eine blasse, kalkhaltige, tief zerklüftete Oberfläche hinterlassen.
- Deutlicher Beinverlust: Schwere Randerosion und der Verlust der Unterschenkel des Pferdes legen nahe, dass es als monumentaler, teil-exponierter Schreinanker über Generationen vor der Sammlung im Freien stand.
Zusammenfassung
Dieser Bobo-Reiter aus dem 19. Jahrhundert gilt als eindrucksvolles Beispiel der voltaischen geometrischen Abstraktion – dominiert von seiner markanten Mondkammfrisur. Seine stark ausgetrocknete, vom Wind erodierte Patina spricht für ein hohes Alter in der westafrikanischen Savanne.



