MUMUYE Ahnenstatue (Regenschirmwappen, Holz / Eisen)
Eine monumentale Mumuye-Ahnenfigur (1. Hälfte 20. Jh., 97 cm) aus Nigeria - radikal geschwungene Abstraktion mit einem langgestreckten, säulenartigen Torso, der von massiven, bandartigen Armen flankiert wird, die sich um den negativen Raum winden, gekrönt von einem stark stilisierten, schirmartigen Wappenkopf und integrierenden Eisenelementen, tief oxidiert und trocken erodiert. Gepaart mit 0419.
1. Meisterwerke der Negativraum- und Bandgeometrie
Die Mumuye aus dem Benue-Tal stellen einige der dynamischsten, der Schwerkraft trotzenden Skulpturen Afrikas her.
- Architektonischer Käfig aus Holz: Anstatt Gliedmaßen zu schnitzen, die bündig mit dem Körper abschließen, schnitzt der Künstler lange, bandartige Arme, die sich spiralförmig vom Rumpf wegbewegen und krümmen - so entsteht ein architektonischer Käfig aus Holz um einen Kern aus leerem Raum.
- Kinetische Leichtigkeit: Verleiht der meterhohen Figur ein unglaubliches Gefühl von Leichtigkeit, kinetischer Energie und fließendem Ungleichgewicht - die strengen, helmartigen Köpfe und abstrakten Gesichtsebenen haben die Bildhauer des europäischen Expressionismus tiefgreifend beeinflusst.
2. Die Vabong-Gesellschaft und der Regenmacher-Zauber
Historisch fälschlicherweise als bloße landwirtschaftliche Wegweiser identifiziert, waren diese Figuren in Wirklichkeit die streng gehüteten aktiven spirituellen Werkzeuge der Vabong-Geheimgesellschaft.
- Eisen-Integration: Dieses Stück integriert Eisen - ein hochgradig magisches Material in dieser Region, das mit den Schmiede-Göttinnen verbunden ist.
- Trance-Dialog: Die Statue diente als direkter Kanal für die Kommunikation mit den Ahnen - in Zeiten extremer Krisen, Krankheit oder Dürre trat der Wahrsager in einen physischen, tranceartigen Dialog mit der Statue, indem er ihre bandartigen Arme bewegte und manipulierte, um die Zukunft zu erahnen und den Regen herbeizurufen.
3. Monumentale Austrocknung und irdene Fäulnis
Der physische Zustand der Statue ist ein untrügliches Indiz für das Alter des frühen 20. Jahrhunderts.
- Roh verwitterte Oberfläche: Mumuye-Figuren wurden nicht mit schützenden Ölen eingerieben - sie wurden roh belassen. Infolgedessen ist das dichte Holz einer extremen Austrocknung unterworfen, die eine trockene, pulverige, tief zerklüftete und von der Sonne gebleichte Oberfläche hinterlassen hat.
- Fäulnis des erdbepflanzten Sockels: Der Sockel weist starke ungleichmäßige Fäulnis und Insektenbefall auf - ein optischer Beweis dafür, dass diese schwere Statue jahrzehntelang direkt in den Erdboden des Heiligtums des Wahrsagers gepflanzt wurde.
Zusammenfassung
Zusammen mit ihrem 114 cm hohen Pendant 0419 stellt diese monumentale Mumuye-Figur den absoluten Höhepunkt der nigerianischen abstrakten Holzschnitzerei dar - eine bandartige Geometrie, die den negativen Raum einschließt und durch eiserne magische Elemente verstärkt wird. Ihre extremen Ausmaße und die tiefe, erdverrottete Patina machen sie zu einem unglaublich prestigeträchtigen Meisterwerk westafrikanischer esoterischer Kunst.



