MUMUYE Ahnenfigur
Eine große, radikal abstrahierte Holzfigur (1. Hälfte 20. Jh., 106 cm) von den Mumuye aus Nigeria - länglicher, röhrenförmiger Torso, Scheitel und vom Körper gelöste, bandartige Arme.
1. Afrikanischer Kubismus aus dem Benue-Tal
Die Mumuye, die lange Zeit isoliert entlang des Benue-Flusses lebten, stellen Statuen her, deren modernes kubistisches Aussehen die Kunstwelt verblüffte, als sie in den späten 1960er Jahren erstmals "entdeckt" wurden.
- Abgetrennte Arme: Die Arme lösen sich vom Rumpf und fallen nach unten, wodurch große Leerräume mit negativem Inhalt entstehen. Durch dieses Zusammenspiel von Volumen und Leere wirkt das schwere Holz luftig und kinetisch.
- Das Scheitelkreuz: Der gezackte, helmartige Kopf erinnert an eine traditionelle Frisur, die einst sowohl von Männern als auch von Frauen mit hohem Status getragen wurde, und verleiht der Figur eine bewusst androgyne Autorität.
2. Aktive Weissagung
Trotz der Bezeichnung "Ahnen" waren diese Figuren (Iagalagana) keine passiven Grabmäler. Sie befanden sich im Besitz von mächtigen Ältesten, Wahrsagern und Regenmachern, die sie hielten, berieten und manchmal sogar "bestraften", wenn Regen oder Heilung ausblieben.
Zusammenfassung
Diese Mumuye-Figur ist ein Triumph der abstrakten Bildhauerei. Ihr dynamisches Zusammenspiel von massivem Holz und negativem Raum stellt den Höhepunkt der Ästhetik des Benue-Tals dar - ein funktionierendes Instrument der Wahrsagerei, getarnt als proto-modernistische Brillanz.



