MUMUYE Weibliche Ahnenfigur
Eine große, radikal abstrakte Holzfigur (1. Hälfte 20. Jh., 113 cm) von den Mumuye aus Nigeria - länglicher, röhrenförmiger Torso, kammartiger Kopf und bandartige Arme, die sich nach unten schwingen, um den negativen Raum zu schnitzen.
1. Der Höhepunkt der afrikanischen Abstraktion
Die Mumuye aus dem Tal des Benue-Flusses schnitzen, was viele Kunsthistoriker als die dynamischste abstrakte Skulptur in ganz Afrika betrachten.
- Negativer Raum als Struktur: Anstatt einen massiven Holzblock zu schnitzen, schnitzt der Mumuye-Bildhauer in das Holz, um die Arme freizulegen, die wie architektonische Strebepfeiler hängen. Die Luft zwischen Armen und Rumpf ist für die visuelle Wirkung ebenso wichtig wie das Holz selbst.
- Eine weibliche Identität: Während viele Mumuye-Figuren (Iagalagana) bis zur Androgynität stilisiert sind, ist dieses Stück als weiblich zu erkennen. Der markante Scheitel stellt eine traditionelle Frisur dar, die einst sowohl von Männern als auch von Frauen mit hohem Status getragen wurde.
2. Aktive Weissagung, nicht passives Gedenken
Obwohl diese Objekte als "Ahnenstatuen" bezeichnet werden, waren sie keine passiven Grabzeichen.
- Das Werkzeug des Regenmachers: Sie waren das persönliche Eigentum von Ältesten, Wahrsagern und Regenmachern. Ein Wünschelrutengänger hielt die Statue in der Hand, sprach mit ihr und leitete in Zeiten des Krieges, der Krankheit oder der Dürre die Führung der Ahnen weiter.
Zusammenfassung
Diese weibliche Mumuye-Figur ist ein Meisterwerk des proto-kubistischen Designs. Sie lehnt anatomischen Realismus zugunsten einer fließenden, kinetischen Abstraktion ab, die vor esoterischer Energie vibriert - ein aktives Instrument des Wahrsagers aus dem Benue-Tal.



