LOBI Monumentale Bateba-Figur (19. Jh., 79 cm)
Eine außergewöhnlich große, schlanke und stark erodierte Holzfigur, die starr mit den Händen an den Seiten steht. Das stark verwitterte Gesicht und die längs verlaufenden Trocknungsrisse offenbaren die rohe, alte Maserung des Holzes.
1. Ästhetischer Stil und regionale Eigenheiten
Diese Figur ist ein Beispiel für die Ästhetik der Lobi bateba in monumentalem Maßstab. Im Gegensatz zu den dichten, blockhaften Volumina kleinerer Lobi-Figuren nutzt diese Figur extreme Vertikalität und die Reduktion der anatomischen Form, um eine stoische, beherrschende Präsenz zu schaffen. Der langgestreckte Torso und die starre Körperhaltung betonen die Funktion des Objekts als unerschütterlicher spiritueller Wächter und nicht als naturalistisches menschliches Porträt. Skulpturen in diesem Maßstab sind im Lobi-Korpus selten und deuten eher auf einen Auftrag für einen großen Schrein als für einen Hausaltar hin.
2. Rituelle Funktion und Thil-Vermittlung
In den komplexen animistischen Traditionen Burkina Fasos fungieren bateba (übersetzt: "diejenigen, die mit ihnen verbunden sind") als physische Vermittler zwischen den Menschen und den thila (Naturgeistern). Aufgrund ihrer beachtlichen Größe (79 cm) war diese Figur wahrscheinlich der zentrale, verankerte Beschützer eines großen kommunalen oder wohlhabenden Hausschreins, der Hexerei, Krankheiten und gesellschaftliches Unglück abwehren sollte. Ihre Größe entspricht ihrem institutionellen Gewicht - ein 79 cm großer Bateba stand einem Schrein vor, zu dem ein ganzes Geschlecht Zugang hatte und nicht nur eine einzelne Kernfamilie.
3. Physische Patina und Altersindikatoren
Der physische Zustand dieser Skulptur zeigt ausgeprägte Spuren natürlicher Alterung. Der starke Zellzerfall des Holzes, der tiefe strukturelle Risse und die weitgehende Erosion der feinen Gesichtszüge zur Folge hat, spricht für eine jahrzehntelange Exposition gegenüber dem rauen, trockenen Klima der Sahelzone. Diese trockene, verkrustete Oberfläche ist vereinbar mit einer Datierung in das 19. Jahrhundert und stützt die Zuschreibung als authentisches, seltenes Überbleibsel. Die vertikale Ausrichtung der Austrocknungsrisse mit der Holzmaserung gilt als ein charakteristisches Merkmal, das sich nur schwer künstlich reproduzieren lässt.
Zusammenfassung
Eine monumentale und zutiefst archaische Lobi bateba, die die menschliche Gestalt auf eine strenge, vertikale Linie der geistigen Verteidigung reduziert. Ihre starke Austrocknung, die eine Datierung in das 19. Jahrhundert nahelegt, und ihre beeindruckende Größe machen sie zu einem bedeutenden Zeugnis der animistischen Geschichte Burkina Fasos.

Schreinaltar mit Ehepaar BATEKE

Seltene Kopfhaubenmaske

Schreinfigur, die einen BATEBA-Geist darstellt (ungewöhnlich groß, selten)
