CollectionAfrican Art Archive
DR Congo

PENDE

7 objects in the collection, 6 of which are already fully documented.

Peoples' dossier

The world of the PENDE

An ethnographically curated context — ritual world, aesthetics, history. Researched against multiple verified online sources.

Überblick

Die Pende (in der Literatur häufig auch als Bapende bezeichnet) sind eine bedeutende bantusprachige Ethnie, deren primäres Siedlungsgebiet sich im Südwesten der heutigen Demokratischen Republik Kongo erstreckt. Geographisch konzentriert sich die Bevölkerung auf die Provinzen Kwilu, Kwango und Kasaï. Traditionell und ethnographisch wird das Volk in zwei kulturell, linguistisch und stilistisch unterscheidbare Hauptgruppen unterteilt: die westlichen Pende, die in der Kwilu-Region entlang des gleichnamigen Flusses und westlich davon leben, und die östlichen Pende, deren Territorium sich weiter östlich bis an das westliche Ufer des Kasaï-Flusses und den Loange-Fluss ausdehnt. Diese geographische Zweiteilung ist das direkte Resultat historischer Migrationsbewegungen und hat zu einer bemerkenswerten inneren Diversität geführt, die sich nicht zuletzt in der materiellen Kultur und den in der Sammlung vorliegenden Objekten widerspiegelt.

Sprachlich gehören die Pende zur zentralen Bantu-Sprachfamilie. Ihre Sprache, das Kipende, wird in verschiedenen Dialekten gesprochen, wobei linguistische Erhebungen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts eine westliche, zentrale und östliche Dialektgruppe unterscheiden, die sich unter anderem in der phonologischen Behandlung bestimmter Konsonanten differenzieren. Die Bevölkerungsgröße der Pende wird in der aktuellen ethnographischen und demographischen Literatur unterschiedlich beziffert. Konservative Schätzungen, die sich strikt auf den Kern der kulturellen Identität und historische Zählungen beziehen, gehen von etwa 400.000 Individuen aus. Umfassendere linguistische und demographische Datenbanken, die alle Sprecher des Kipende erfassen, schätzen die Zahl heute auf über 1,2 Millionen Menschen.

Die gesellschaftliche Grundstruktur der Pende ist strikt matrilinear organisiert. Das bedeutet, dass Abstammung, Erbschaft und soziale Zugehörigkeit ausschließlich über die mütterliche Linie weitergegeben werden. Die zentrale soziale und politische Einheit ist der Klan. Innerhalb dieser Struktur fungiert der älteste Onkel mütterlicherseits in der Regel als Oberhaupt der Lineage. Ihm obliegt die Verantwortung für das physische und spirituelle Wohlergehen der Großfamilie, die Schlichtung von internen Konflikten und die Pflege der unabdingbaren rituellen Beziehungen zu den Ahnen.

In ihrem ausgedehnten Siedlungsgebiet sind die Pende in ein komplexes Netzwerk von Nachbarvölkern eingebunden, mit denen sie historisch sowohl durch Handel und strategische Allianzen als auch durch gewaltsame Konflikte verbunden sind. Im Westen grenzen sie an die Yaka und Suku, mit denen sie bestimmte rituelle Institutionen und Maskentraditionen teilen. Im Osten und Süden sind die Chokwe (auch Cokwe) und Lunda ihre historischen Nachbarn, deren expansive Politik die Pende in der Vergangenheit maßgeblich prägte und zu territorialen Verschiebungen zwang. Im Norden pflegen sie historisch enge Beziehungen zu den Mbun, bei denen sie in vorkolonialen Krisenzeiten Zuflucht suchten und mit denen sie in den nördlichen Gebieten teilweise in gemischten Dörfern zusammenleben, was zu einem fruchtbaren kulturellen Austausch führte.

Kultureller Kontext

Die religiöse Kosmologie der Pende basiert auf einem tief verwurzelten animistischen Weltbild, in dessen Zentrum die kontinuierliche und lebensnotwendige Interaktion zwischen den Lebenden und den Toten steht. Ein ferner Schöpfergott (Maweze) existiert zwar in den Mythen als Ursprung aller Dinge, greift jedoch kaum in den profanen Alltag der Menschen ein. Viel entscheidender für das tägliche Leben ist die allgegenwärtige Präsenz der Mvumbi – der Ahnengeister. Die Pende glauben, dass der Tod nicht das Ende der Existenz markiert, sondern einen Übergang in eine spirituelle Sphäre (Kalunga), von der aus die Ahnen als unsichtbare Wächter über die Einhaltung der moralischen und sozialen Ordnung wachen. Die Mvumbi können Wohlstand, landwirtschaftliche Fruchtbarkeit und Gesundheit gewähren, aber auch Krankheit und Unglück senden, wenn soziale Normen verletzt oder rituelle Pflichten vernachlässigt werden.

Die soziale Ordnung ist, wie bereits erwähnt, matrilinear geprägt, was den Frauen eine essenzielle Rolle in der Weitergabe von Identität, Landrechten und sozialem Status sichert. Dennoch liegen die formelle politische Macht und die Ausübung der wichtigsten rituellen Ämter zumeist in den Händen der Männer. Die Gesellschaft ist stark nach Alter und Geschlecht stratifiziert, wobei der Respekt vor den Ältesten ein unumstößliches Grundprinzip darstellt. Die Geschlechterrollen sind im wirtschaftlichen und rituellen Alltag klar definiert: Frauen tragen die Hauptverantwortung für die Landwirtschaft, die den Kern der Subsistenzökonomie bildet. Sie kultivieren Hirse, Mais, Kochbananen und Erdnüsse und dominieren den lokalen Handel auf den Märkten. Männer sind für das Roden der Felder, die Jagd, den Fischfang in den zahlreichen lokalen Flüssen sowie für handwerkliche Tätigkeiten wie das Schnitzen von Holzobjekten und das Schmieden von Eisen zuständig.

Die Wirtschaftsbasis der Pende war historisch nicht nur auf reine Subsistenz ausgerichtet, sondern auch auf die Einbindung in weitreichende regionale Handelsnetzwerke. Bereits in vorkolonialer Zeit handelten sie intensiv mit Völkern wie den Lele und Kuba. Ein wichtiges Tauschmittel waren dabei gewebte Raffiastoffe sowie Eisenwerkzeuge und Waffen, die die Pende exportierten. Dieser wirtschaftliche Austausch förderte auch die Verbreitung ästhetischer und ritueller Konzepte über ethnische Grenzen hinweg.

Die Beziehungen zu den Nachbarvölkern sind stark von historischen Migrations- und Konfliktlinien geprägt. Die Pende stammen ursprünglich aus dem Gebiet der Flüsse Cuanza und Kwango im heutigen Angola. Im 17. Jahrhundert zwang sie die militärische Expansion des Lunda-Reiches zur Migration nach Norden in ihr heutiges Siedlungsgebiet im Kongo. Im späten 19. Jahrhundert sahen sich insbesondere die östlichen Pende massiven Überfällen und Sklavenjagden der expandierenden Chokwe ausgesetzt. Diese traumatischen Erfahrungen führten zu einer weiteren Verschiebung der Siedlungsgebiete und zur Schmiedung strategischer Allianzen, etwa mit den Mbun. Diese historischen Dynamiken von Flucht, Anpassung und kulturellem Austausch haben die Gesellschaft der Pende tiefgreifend geformt und spiegeln sich in einer bemerkenswerten kulturellen Resilienz wider, die es ihnen ermöglichte, ihre Identität trotz massiven äußeren Drucks zu bewahren.

Ästhetische Merkmale

Die Kunst der Pende gehört zu den expressivsten und formenreichsten Traditionen Zentralafrikas und dient primär als visuelles Vokabular für soziale, politische und spirituelle Konzepte. Das absolute Identifikationsmerkmal ihrer materiellen Kultur ist die immense Vielfalt an Masken. Es wird geschätzt, dass das Repertoire der Pende über zwanzig verschiedene Maskencharaktere und mehrere spezifische Machtmasken umfasst. Neben Masken fertigen professionelle Meisterschnitzer (Songi) auch architektonische Elemente wie beschnitzte Paneele, rituelle Hocker, Zeremonialäxte und Schreinfiguren an. Die vorliegende Sammlung repräsentiert dieses Spektrum mit Masken (Nr. 0281, 0492), einem Paneel (Nr. 0490), einem Hocker (Nr. 0324) und einer Axt (Nr. 0670) auf exzellente Weise.

Stilistisch und geographisch lassen sich zwei dominante Schulen unterscheiden, die auf die historische Teilung des Volkes zurückgehen. Die westlichen Pende (Kwilu-Region) sind berühmt für ihre Mbuya-Masken. Diese zeichnen sich durch eine melancholische, in sich gekehrte Mimik aus. Typische Konventionen sind eine stark betonte, oft durchgehende Augenbrauenlinie, schwere, halb geschlossene Lider, markante Wangenknochen und ein oft leicht geöffneter, nach unten gezogener Mund. Die Gesichtsform ist meist dreieckig. Diese Masken verkörpern oft ein idealisiertes Schönheitsideal und strahlen eine würdevolle Ruhe aus. Im Gegensatz dazu ist der Stil der östlichen Pende (Kasaï-Region) deutlich geometrischer, abstrakter und farbenfroher. Hier dominieren polychrome Verzierungen, insbesondere rote und schwarze Dreiecksmuster auf ockerfarbenem Grund. Die östlichen Pende sind zudem für ihre großformatigen architektonischen Schnitzereien bekannt, wie etwa Türpfosten oder Paneele mit Maskenmotiven (vergleiche Objekt Nr. 0490), die die Häuser der Häuptlinge schmücken und deren Autorität visuell untermauern.

Ein weiteres zentrales Element der Pende-Ästhetik ist die Material- und Pigmentpräferenz. Holz bildet das Grundgerüst der meisten permanenten Objekte, doch erst die Applikation von Naturpigmenten – roter Ocker, weißes Kaolin und schwarze Pflanzenfarben – verleiht ihnen ihre rituelle Wirksamkeit. Weiß steht oft für die Welt der Ahnen und spirituelle Reinheit, während Rot mit Lebenskraft, Blut und Übergangsriten assoziiert wird. Neben Holz spielen organische Materialien eine entscheidende Rolle. Die Minganji-Masken, die die Ahnen repräsentieren, bestehen fast vollständig aus geflochtenen Raffiafasern und verzichten auf detaillierte hölzerne Gesichter. Auch bei hölzernen Masken und Körpermasken (wie Objekt Nr. 0903) werden häufig Fasern, Stoffe und Tierfelle integriert, um die Präsenz des Geistes im Tanz zu materialisieren.

Spezifische Maskentypen weisen hochgradig kodierte Merkmale auf. Die Kipoko-Maske, eine Helmmaske, die dem Häuptling vorbehalten ist, zeichnet sich durch stark überzeichnete Gesichtszüge aus. Riesige Augen und Ohren symbolisieren die Pflicht des Anführers, wachsam zu sein und alles zu sehen und zu hören, was in der Gemeinschaft vor sich geht. Der winzige Mund hingegen ermahnt ihn, wenig zu sprechen und stattdessen durch Taten und Fürsorge zu glänzen. Skarifizierungen, die in der Realität als Zeichen von Reife und sozialem Status in die Haut geschnitten wurden, finden sich als feine Reliefs auf den Masken und Figuren wieder und zeugen von der Meisterschaft der regionalen Schnitzschulen.

Rituelle Praxis

Die rituelle Praxis der Pende ist ein dynamisches System aus Performanz, Initiation und Ahnenverehrung, in dem Kunstobjekte keine passiven Betrachterstücke, sondern aktive, spirituell aufgeladene Agenten sind. Das wichtigste rituelle Fundament der Gesellschaft ist das Mukanda, das Initiationslager für heranwachsende Jungen. Dieses Ritual markiert den essenziellen Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter und ist von zentraler Bedeutung für die Reproduktion der sozialen Ordnung. Die Jungen im Alter von etwa 8 bis 12 Jahren werden für mehrere Wochen (historisch oft Monate oder sogar Jahre) in einem isolierten Buschlager von der weiblichen Sphäre getrennt. Dort unterziehen sie sich der Beschneidung und erhalten von Meistern wie dem Nganga Mukanda Unterricht in Resilienz, Jagdtechniken, Mythen, moralischem Verhalten und den Geheimnissen der Masken.

Während des Mukanda und bei den abschließenden Feierlichkeiten treten die Masken in Erscheinung. Die Minganji-Masken aus Raffia, die die unpersönliche, furchteinflößende Macht der Ahnen und des Todes verkörpern, bewachen das Lager und disziplinieren die Gemeinschaft. Sie sind die ultimativen Autoritätsfiguren. Im Gegensatz dazu stehen die hölzernen Mbuya-Masken, die als "Dorfmasken" fungieren. Sie treten bei Festen auf, die das Ende der Initiation, die Hirseernte oder die Einsetzung eines Häuptlings markieren. Die Mbuya-Tänzer stellen ein breites Spektrum menschlicher und übermenschlicher Charaktere dar: den Häuptling, den Wahrsager, die schöne junge Frau, aber auch den Verrückten, den Epileptiker oder den Scharfrichter. Durch satirische und didaktische Tänze halten sie der Gesellschaft einen Spiegel vor, vermitteln moralische Lektionen und kanalisieren soziale Spannungen.

Die Ahnenverehrung durchdringt den Alltag und erfordert ständige rituelle Aufmerksamkeit. Der Häuptling und die Lineage-Ältesten fungieren als Mediatoren zwischen den Lebenden und den Mvumbi. In diesem Kontext spielen Objekte wie rituelle Hocker (Objekt Nr. 0324) und Zeremonialäxte (Objekt Nr. 0670) eine tragende Rolle. Ein Häuptlingshocker ist nicht nur ein profanes Sitzmöbel, sondern ein Altar und ein physischer Berührungspunkt mit der Erde und den Ahnen. Er legitimiert die Macht des Herrschers. Die Zeremonialaxt, oft meisterhaft aus Holz und Eisen gefertigt, wird bei Tänzen und rituellen Ansprachen getragen. Sie ist ein Symbol für die Fähigkeit des Anführers, Probleme zu "durchtrennen", Gerechtigkeit zu üben und die Gemeinschaft zu verteidigen.

Auch weibliche Figuren und Körpermasken (wie Objekt Nr. 0903) sind tief in die rituelle Praxis eingebunden. Obwohl die Maskentänzer fast ausschließlich Männer sind, repräsentieren viele Masken weibliche Ahnen oder Ideale weiblicher Schönheit und Fruchtbarkeit. Sie würdigen die essenzielle Rolle der Frauen in der matrilinearen Gesellschaft. Tanzmasken-Altarfiguren (wie Objekt Nr. 1127) dienen oft als stationäre Repräsentationen der Maskengeister in den Schreinen der Häuptlinge. Sie empfangen Opfergaben und Gebete, wenn die eigentlichen Masken nicht getanzt werden, und garantieren so die permanente Anwesenheit der schützenden spirituellen Kräfte im Dorf.

Historischer Kontext

Die Geschichte der Pende ist eine komplexe Erzählung von Migration, Widerstand und kultureller Behauptung. Ihre vorkolonialen Ursprünge liegen, wie die orale Tradition und historische Forschung belegen, im Becken des Cuanza-Flusses im heutigen Angola. Der Druck durch das expandierende Lunda-Reich im 17. Jahrhundert und spätere verheerende Sklavenjagden der Chokwe im späten 19. Jahrhundert zwangen sie zu schmerzhaften Umsiedlungen in den heutigen Kongo. Diese traumatischen Epochen prägten ein starkes kollektives Bewusstsein und die Notwendigkeit, die eigene Identität durch rituelle Institutionen wie das Mukanda und eine hochgradig ausdifferenzierte Maskenkultur zu stabilisieren.

Die Kolonialzeit unter belgischer Herrschaft stellte einen massiven und gewaltvollen Einschnitt dar. Die Pende wurden in ein ausbeuterisches Zwangsarbeitssystem gepresst, das primär der Palmölproduktion (für die Huileries du Congo Belge) und dem Baumwollanbau diente. Die wirtschaftliche Ausbeutung, gepaart mit drückenden Steuern und der brutalen Unterdrückung lokaler Strukturen, gipfelte 1931 in der historischen Pende-Revolte (auch Kwango-Revolte genannt). Angeführt von charismatischen Figuren wie Mundele Funji, erhoben sich die Pende gegen die koloniale Ordnung und den kapitalistischen Monopolismus. Der Aufstand wurde von der belgischen Force Publique mit extremer Härte niedergeschlagen, was Hunderte von Todesopfern (offiziell 344, inoffiziell weitaus mehr) forderte und zur Zerstörung zahlreicher Dörfer führte. In dieser Zeit wurden viele rituelle Objekte geplündert, zerstört oder als Trophäen nach Europa verbracht.

Nach der Unabhängigkeit des Kongo 1960 und während der Mobutu-Ära erlebten die Pende eine Phase der politischen Instabilität, aber auch der kulturellen Rückbesinnung. Heute ist der Stand der Tradition ambivalent: Urbanisierung und sozioökonomische Krisen haben die Ausübung traditioneller Rituale in einigen Gebieten transformiert. Dennoch erweist sich die Kultur als äußerst lebendig. Ein herausragendes Beispiel für Bewahrungsinitiativen ist das Gungu-Festival. Ursprünglich 1925 gegründet und 1998 wiederbelebt, dient es heute als zentrales Forum, auf dem die Pende ihre Maskentänze, Mythen und soziale Identität zelebrieren und an jüngere Generationen weitergeben.

Im Kontext moderner Museumspraxis und privater Sammlungen rückt die Provenienz- und Restitutionsdebatte zunehmend in den Fokus. Objekte, die aus der "1. Hälfte des 20. Jahrhunderts" stammen – wie die sieben Stücke dieser Sammlung –, fallen genau in die Zeit der gewaltsamen kolonialen Konsolidierung und der brutalen Niederschlagung der Pende-Revolte von 1931. Es ist von entscheidender kuratorischer und ethischer Bedeutung, die Erwerbsumstände solcher Objekte kritisch zu hinterfragen. Sie sind nicht nur ästhetische Meisterwerke, sondern auch materielle Zeugen einer Geschichte von Unterdrückung und Überleben. Die Anerkennung dieses historischen Kontexts ist ein unverzichtbarer Schritt, um den Pende und ihrem kulturellen Erbe auf Augenhöhe und mit dem gebotenen Respekt zu begegnen.

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