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Notizen

FANG Weibliche Altarfigur mit Perlen- und Stoffschmuck (Äquatorialguinea, 1. Hälfte 20. Jh., 17 cm)

Diese tief verkrustete, 17 cm große Holzfigur ist mit dicken, übereinanderliegenden Ketten aus bunten Glasperlen, Schnüren aus organischen Fasern und einem über den Rücken drapierten roten Stoffstück geschmückt. Das Holz und die Einfassungen sind mit einer dicken, erdigen und harzigen Opferpatina überzogen.

1. Ästhetischer Stil - Mixed-Media-Akkumulation und Byeri-Kontext

Während die Fang-Kunst weltweit für ihre glatten, hochglanzpolierten, dunklen hölzernen Byeri-Figuren (Reliquienschreine) bekannt ist, repräsentiert dieses Objekt eine andere, stark akkumulative Ritualästhetik. Die zugrunde liegende Holzfigur dient lediglich als Armatur für eine dichte Ansammlung von importierten Glasperlen und rotem Handelsstoff. Diese aktive Hinzufügung von Materialien verschiebt die Ästhetik von der ruhigen Geometrie der klassischen Schnitzerei zu einer visuell komplexen, geschichteten Manifestation von angesammeltem Reichtum und lebendiger spiritueller Wärme.

2. Rituelle Funktion - Amulettkleidung und Opferspeisung

Das Bekleiden einer Figur mit Perlen und rotem Tuch (eine Farbe, die allgemein mit Vitalität, Blut und dem gefährlichen Geisterreich assoziiert wird) war ein tiefgreifender Akt der Weihe. Im Gegensatz zu den üblichen Reliquienwächtern, die auf Rindenkisten sitzen, diente diese stark geschmückte Figur wahrscheinlich als aktives, persönliches Altarstück oder als spezieller Heilungstalisman. Das Auftragen dieser Materialien und das ständige Trinken von Palmöl und gekauter Kola "nährten" den darin untergebrachten Geist und gewährleisteten seine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Besitzer.

3. Physische Patina - Organischer Abbau und antike Handelsperlen

Die Herkunft dieses Stücks aus dem frühen 20. Jahrhundert wird durch den Zustand der gemischten Elemente bestätigt. Die Glasperlen weisen einen erheblichen Oberflächenabrieb auf, und der rote Stoff ist durch jahrzehntelange rituelle Salbung und Staub aus der Umgebung steif und stark verblasst. Die darunter liegenden Holz- und Fasereinbände sind durch eine dicke, gehärtete, harzige Kruste miteinander verschmolzen, was beweist, dass das Ensemble nie zerlegt oder gereinigt wurde und seinen authentischen, aktiven Schreinzustand bewahrt hat.

Zusammenfassung

Diese mit Perlen und rotem Stoff überzogene Fang-Altarfigur ist ein anschauliches Beispiel für die rituelle Kunst des Sammelns und der Mischtechnik. Ihre dicke, harzige Kruste und die archaische Austrocknung ihrer Einbände machen sie zu einem unberührten, tief ermächtigten Talisman des 20. Jahrhunderts.

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