SammlungAfrican Art Archive
Notizen

FANG(?) Monumentales männliches Reliquiar/Powerfigur mit Hörnern und Schädeln (Äquatorialguinea, 1. Hälfte 20. Jh., 118 cm)

Dieses ausdrucksstarke Kompositobjekt ist 118 cm groß und besteht aus einer verkrusteten Holzfigur mit echten Tierhörnern, Fell und einem echten Tierschädel, die alle auf einem großen, zylindrischen, beschlagenen Fass befestigt sind. Das gesamte multimediale Ensemble ist in einer dicken, nässenden, rußgeschwärzten Opferkruste eingebettet.

1. Ästhetischer Stil - akkumulative Ästhetik und das Konzept von Kraftobjekten

Dieses imposante, 118 cm große Objekt, das vorläufig den Fang zugeschrieben wird, verzichtet auf die ruhige, polierte Geometrie der klassischen Fang byeri-Figuren und setzt stattdessen auf eine akkumulative Ästhetik. Es fungiert als spirituelles Instrument, das visuell und strukturell mit dem Bocio der Fon/Ewe oder einem großen Kraftobjekt aus dem Kongobecken (vergleichbar mit den Nkisi-Figuren der Kongo) verwandt sein dürfte. Die hölzerne Armatur wird von Ergänzungen überlagert: massive Tierhörner, stark verknotete Seile, Tierschädel und Fellbüschel. So entsteht eine Ästhetik der rohen Energie der Wildnis.

2. Rituelle Funktion - Gemeinschaftsverteidigung und tödliche Magie

Ein Objekt von diesem monumentalen Ausmaß und dieser visuellen Intensität war vermutlich kein Talisman für den privaten Haushalt. Es dürfte sich um ein übergeordnetes Kraftobjekt der Gemeinschaft gehandelt haben, das dazu bestimmt war, schwere existenzielle Bedrohungen zu bekämpfen - Seuchen, Kriege oder zügellose bösartige Hexerei. Der aufgesetzte Tierschädel und die geschwungenen Hörner dienen als spirituelle Waffen, während der zylindrische Korpus wahrscheinlich als massiver Reliquienschrein oder Behälter für Bishimba (magische Ladungen) diente. Sie wurde wohl in Zeiten schwerer Krisen hervorgeholt und sollte mit ihrem eindringlichen Anblick zur psychologischen Unterwerfung beitragen.

3. Physische Patina - Die Machtkruste und die Opferbeigabe

Die dichte Patina dieses Objekts spricht für seine tiefe rituelle Einbettung. Der gesamte Aufbau - Holz, Knochen, Fell und Fasern - ist durch eine dicke, schwarze, nässende Kruste miteinander verschmolzen. Diese "Kraftpatina" ist das Ergebnis wiederholter Anwendungen von geronnenem Blut, Palmöl, Ruß und gekauter Kolanuss über einen längeren Zeitraum. Die Tatsache, dass diese hochgradig brüchige, organiche Hülle bei einer so fragilen, multimedialen Konstruktion weitgehend intakt erhalten blieb, legt nahe, dass es sich um ein im rituellen Kontext genutztes Werk der afrikanischen Magie des frühen 20. Jahrhunderts handelt.

Zusammenfassung

Unter einer Ansammlung von Tierhörnern, Schädeln und rituellen Fesseln zeigt sich diese monumentale Kraftfigur als eindrucksvolles Instrument zur Verteidigung der Gemeinschaft. Ihre dicke, nässende, ungestörte Opferkruste stützt die Zuschreibung als historisch genutzter, ritueller Anker.

Weitere Werke der Sammlung