Was uns das Objekt erzählt.
Gestützt auf Feldforschung, Museumsbestände und Fachliteratur — erzählt mit Respekt vor dem Kontext, in dem dieses Objekt entstand.
BAGA Weibliche Figur mit D'mba-Kopf und vorspringenden Brüsten (Guinea, 1. Hälfte 20. Jh., Holz)
Diese hohe, dunkle Holzstatue stellt eine idealisierte weibliche Figur mit massiven, vorspringenden Brüsten und einem Kopf dar, der identisch mit der kanonischen D'mba (Nimba)-Schultermaske modelliert ist, die einen hohen, geflochtenen Mittelkamm und eine geschwungene Hakennase aufweist. Die Oberfläche ist stark geölt, dunkel und durch die Bearbeitung brüniert.
1. Ästhetischer Stil - Die D'mba-Ästhetik im Wandel
Das Volk der Baga in Guinea ist weltweit für seine massiven D'mba- (oder Nimba-) Schultermasken bekannt, die das universelle Konzept der idealisierten Mutter darstellen. Diese Statue überträgt diese monumentale Maskenästhetik auf brillante Weise auf eine stehende Ganzkörperfigur. Der prächtige Kopf weist alle klassischen D'mba-Merkmale auf: die dramatisch ausladende Nase, die kunstvoll geschnitzte, U-förmige Flechtfrisur und die heiteren, niedergeschlagenen Augen. Die massiven, flachen, hervorstehenden Brüste dominieren den Oberkörper und vervollständigen die visuelle Metapher der überwältigenden, lebensspendenden Fruchtbarkeit und der dauerhaften Stärke der weiblichen Vorfahren.
2. Rituelle Funktion - Mütterliche Verehrung und landwirtschaftliche Heiligtümer
Während die schweren Schultermasken bei landwirtschaftlichen Festen zur Feier der Reisernte getanzt werden, wurden stehende Figuren dieser Art als stationäre Altargeräte verwendet. Sie stellen die "Mutter der Fruchtbarkeit" dar - eher ein spiritueller Archetyp als eine bestimmte Person. Die Figur wurde in den Schreinen der Baga-Ältesten aufgestellt oder von Frauenverbänden verwendet. Sie wurde von unfruchtbaren Frauen, die schwanger werden wollten, und von Bauern, die um reiche Ernten beteten, angefleht. Die übergroßen Brüste sind das ultimative Symbol für Nahrung und versprechen, dass die Ahnenmutter das ganze Dorf ernähren wird.
3. Physikalische Patina - Palmölsättigung und rituelles Brennen
Die Patina dieser Baga-Figur ist atemberaubend reichhaltig und historisch korrekt. Das dichte tropische Hartholz wurde über Jahrzehnte hinweg immer wieder mit Palmöl getränkt, was zu einem tief oxidierten, fast schwarzen, glänzenden Schimmer führte. Die höchsten Punkte der Schnitzerei - die Nasenspitze, der Haarkranz und die prächtigen Brüste - wurden durch kontinuierliche, ehrfürchtige menschliche Berührung organisch weich gemacht und zu einem spiegelgleichen Finish poliert. Diese tiefe, durchdringende und makellose Patina beweist, dass die Figur ein langes, aktives Leben in den Fruchtbarkeitsriten der Guineer des frühen 20.



