TIKAR Bronzefigurengruppe "Roi en Voyage" (Bankim Chiefdom - Notable's Commission)
Ein komplexes Tableau aus Messing/Bronze im Wachsausschmelzverfahren, das eine zentrale königliche Figur (einen "roi") darstellt, die auf einer Sänfte sitzt, von mehreren Dienern getragen wird und von einem Gefolge umgeben ist.
1. Ästhetischer Stil und der "Roi en Voyage"
Diese Bronzegussgruppe aus dem Bankim-Häuptlingstum gilt als ein bemerkenswertes Beispiel der metallurgischen Erzählkunst der Tikar. Die Ästhetik des "Roi en Voyage" (der reisende König) ist sehr erzählerisch und dynamisch. Der Tikar-Gießer hat eine mehrfigurige Komposition geschaffen, die die kinetische Bewegung einer königlichen Prozession einfängt. Die Details – wie die gewebten Strukturen der Sänfte, die angespannte Haltung der tragenden Diener und die ruhige Haltung des Häuptlings – weisen auf eine ausgeprägte Beherrschung der Cire-perdue-Technik (Wachsausschmelzverfahren) hin.
2. Rituelle Funktion und das Privileg des Transports
Dieser Gegenstand hatte vermutlich keine religiöse oder opferbezogene Funktion, sondern diente wohl als weltliches Statussymbol. Im kamerunischen Grasland war das Recht, von Dienern getragen zu werden, ein Privileg, das in der Regel hochrangigen Häuptlingen vorbehalten war. Es wird angenommen, dass dieses Stück nicht vom Häuptling selbst in Auftrag gegeben wurde, sondern von einer hochrangigen Persönlichkeit (einem „Minister“). Die Zurschaustellung einer solchen komplexen Bronze, die das königliche Privileg darstellt, dürfte dazu gedient haben, den Wohlstand und die gehobene Stellung des Besitzers innerhalb der sozialen Hierarchie der Bankim zu demonstrieren.
3. Patina, Materialverwitterung und Altershinweise
Die Messingoberflächen weisen eine ausgeprägte, ungeschliffene Patina auf. In den tieferen Bereichen unter der Sänfte und zwischen den Beinen der Figuren sind dunkle Oxidationen und Reste des Tongusskerns erhalten, was für eine traditionelle, einheimische Herstellung spricht. Die erhabenen Stellen – wie die Köpfe der Diener und die Schultern des Häuptlings – weisen eine hellere Politur auf, was auf wiederholte Handhabung und Zurschaustellung hindeutet.
Zusammenfassung
Die Figurengruppe des „Roi en Voyage“ ist eine bemerkenswerte metallurgische Arbeit, die die Dynamik einer königlichen Tikar-Prozession anschaulich wiedergibt. Sie gilt als ein anschauliches historisches Zeugnis dafür, wie hochrangige Persönlichkeiten Kunstwerke einsetzten, um ihre gesellschaftliche Stellung zu demonstrieren.



