SammlungAfrican Art Archive
Notizen

BENIN Prestige-Hüftmaske aus Elfenbein mit Schlammfisch-Kopfschmuck (Edo-Hof, Spät-Benin, 23 cm)

Diese detailreiche Hängemaske aus Elfenbein zeigt ein idealisiertes Edo-Gesicht, gekrönt von einem komplizierten, durchbrochenen Kopfschmuck aus stilisierten Schlammfischen oder Korallenperlen und umrahmt von einem Kragen mit ähnlichen Flechtmotiven. Das Elfenbein besitzt eine tiefe, reiche, rötlich-bernsteinfarbene Patinierung.

1. Ästhetischer Stil - Idealisierte Edo-Porträts und der Igbesanmwan

Diese Hüftmaske zeigt Merkmale, die für die Arbeiten der Igbesanmwan, der königlichen Elfenbeinschnitzergilde des Königreichs Benin, charakteristisch sind. Das Gesicht folgt den strengen, idealisierten Edo-Konventionen: schwere, herabhängende Augenlider, aufgeweitete Nasenlöcher und die markanten parallelen Eiseneinlagen (die hier zwar fehlen, aber die geschnitzten Kanäle sind erhalten geblieben) über der Nase, die eine Skarifikation darstellen. Die komplexe, durchbrochene Schnitzerei des Kopfschmucks und des Kragens - oft mit Darstellungen von Schlammfischen, einem Symbol für die göttliche, amphibische Natur des Oba - zeugt von einer absoluten Beherrschung des dichten, unnachgiebigen Materials Elefantenelfenbein.

2. Rituelle Funktion - Ododua-Regalien und die Macht des Oba

Am stark strukturierten Hof von Benin gehörte der Hüftschmuck aus Elfenbein (uhunmwun ekhoko) zu den exklusiven königlichen Insignien. Der Oba und seine ranghöchsten Häuptlinge trugen sie bei aufwendigen Staatszeremonien um die Taille hängend, insbesondere bei solchen, die der Besänftigung spiritueller Kräfte und der Ehrung der Königinmutter (Iyoba) dienten. Das strahlende Weiß des Elfenbeins symbolisierte ursprünglich die rituelle Reinheit und die Verbindung zu Olokun, dem Gott des Meeres und des Reichtums, und unterstrich den göttlichen Herrschaftsanspruch des Königs und seine Kontrolle über den Seehandel.

3. Physische Patina - Die Tukula/Palmöl-Patina

Während frisches Elfenbein weiß ist, weist diese Maske eine spektakuläre, tief rötlich-bernsteinfarbene Patina auf. Dies ist eine echte "Kraftpatina", die durch jahrzehntelange rituelle Salbung entstanden ist. Um die Maske spirituell aufzuladen und die Gottheit, die sie darstellte, zu ehren, rieben Edo-Priester das Elfenbein wiederholt mit einer Mischung aus Palmöl und Rotholzpulver ein (ein rotes Holz, das mit transformierender spiritueller Hitze und Königtum assoziiert wird). Im Laufe eines Jahrhunderts oxidierte diese Mischung und sank dauerhaft in das poröse Elfenbeinkorn ein, was als Zeugnis einer aktiven Nutzung am späten Benin-Hof gedeutet werden kann.

Zusammenfassung

Diese Hüftmaske aus Elfenbein ist ein repräsentatives Beispiel für die königliche Schnitzkunst der Edo-Zeit. Sie nutzt idealisierte Porträts und Schlammfisch-Ikonographie, um göttliche Autorität zu vermitteln. Ihre tiefe, rötlich-bernsteinfarbene Palmöl-Patinierung spricht für ihr aktives Leben als prestigeträchtige Regalien im späten Benin-Königreich.

Weitere Werke der Sammlung