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Notizen

DOGON Männliche Schreinfigur

Eine stark verkrustete Holzskulptur (48 cm) der Dogon aus Mali, deren Entstehung aufgrund der massiven Oberflächenalterung auf den Zeitraum zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert datiert wird – eine langgestreckte männliche Figur, die auf einem traditionellen runden Dogon-Hocker sitzt und deren Gesichtszüge fast vollständig in die Patina erodiert sind.

1. Der sitzende Patriarch

In der Dogon-Statuette bestimmt die Körperhaltung den Status.

  • Stehend vs. Sitzend: Während stehende Figuren aktives Gebet oder Vitalität ausstrahlen, repräsentiert eine auf einem Hocker sitzende Figur etablierte, unbewegliche Autorität.
  • Hogon oder Nommo: Diese Figur verkörpert wahrscheinlich einen Hogon (oberster geistiger Führer) oder einen Nommo (gründender Urahn). Der Hocker ist eine Miniaturnachbildung der eigentlichen Führungshocker, die in der von Marcel Griaule dokumentierten – wenn auch durch Walter E.A. van Beek 1991 stark relativierten – Kosmologie oft als Repräsentation des Universums gedeutet werden. Zwischen den Beinen hält der Mann zudem ein großes, tropfenförmiges Objekt, möglicherweise eine stilisierte Tiermaske oder ein rituelles Gefäß.

2. Schwere sahelische Erosion

Die Oberfläche dieser Skulptur ist eine Landschaft, die von starker Verwitterung geprägt ist.

  • Fast verschwundene Gesichtszüge: Generationen von Handhabung, Wind und ritueller Salbung haben das Gesicht fast zur Abstraktion geglättet. Die weichen, durch jahrhundertelange Alterung abgerundeten Kanten unter der Kruste sind Prozesse, die weit mehr als nur ein Jahrhundert in Anspruch nehmen.
  • Echte Altarkruste: Die außergewöhnlich dicke, tief rissige und trockene Opferpatina (sog. patine croûteuse) ist das ultimative Kennzeichen eines funktionalen Stücks, das in einem Binu-Heiligtum aufbewahrt wurde, und nicht eines vor Abnutzung geschützten Ausstellungsstücks. Solche massiven Verkrustungen entstehen durch wiederholte Libationen aus Hirsebrei, Tierblut und pflanzlichen Säften.

3. Die Architektur des Körpers

Selbst durch die Erosion hindurch ist der klassische Dogon-Kubismus offensichtlich.

  • Klippenartiger Aufbau: Der Torso ist ein langer Zylinder, die Schultern sind kantig, die Arme fallen in einem spitzen rechten Winkel ab und das Gesicht zeigt die typische pfeilförmige Nase.
  • Bandiagara in Holz: Der architektonische Ansatz stellt eine visuelle Verbindung zwischen den Gründervorfahren und den steilen, vertikalen Klippen des Bandiagara-Steilhangs her, den die Dogon ihre Heimat nennen. In diesen extrem trockenen Höhlen wurden solche Skulpturen vor Termitenfraß und Witterung geschützt aufbewahrt.

Zusammenfassung

Diese archaische Dogon-Figur aus dem 17. bis 19. Jahrhundert ist ein Meisterwerk des überlieferten Altertums. Wie die Forschungen von Rogier Bedaux zur Tellem-Dogon-Kontinuität und Hélène Leloups stilistische Klassifikationen belegen, reicht das Alter derart tief erodierter Skulpturen oft Jahrhunderte zurück. Ihre verkrustete Oberfläche bietet eine tiefe, taktile Verbindung zu den Gründungsmythen der Felsenbewohner von Mali, die in ewiger Autorität sitzen.

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