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DOGON Hocker-Stab (Dolaba)

Ein komplizierter hölzerner Hybrid aus rituellem Stab und tragbarem Hocker (19.–20. Jh., 69 cm) von den Dogon aus Mali - eine Dolaba, tiefgründiger Ausdruck der Dogon-Mythologie und ein zentrales Element des alle 60 Jahre stattfindenden Sigui-Rituals.

1. Mythologische Abstammung: Die Nommo

Im Mittelpunkt der klassischen Dogon-Kosmologie stehen die Nommo, die hermaphroditischen Urahnen, die vom Hochgott Amma erschaffen wurden.

  • Die gestapelten Ahnen: Die zentrale Säule zeigt einen vertikalen Stapel menschlicher Figuren, die die ununterbrochene Kette der menschlichen Abstammung darstellen. In der Dogon-Denkweise werden die Lebenden physisch und spirituell von den Vorfahren unterstützt - so wie die Spitze des Stabes von den geschnitzten Figuren darunter gestützt wird.
  • Das Zickzack-Motiv: Die durchbrochenen Zickzack-Linien, die die zentrale Säule flankieren, stellen nach der berühmten Interpretation von Marcel Griaule den Abstieg der Arche des Nommo vom Himmel auf die Erde dar, was Wasser und Ordnung in das Universum bringt. Walter E.A. van Beek zeigte jedoch 1991 auf, dass diese hochkomplexe Kosmologie teils eine Ko-Konstruktion Griaules mit seinem Informanten Ogotemmêli sein könnte, auch wenn die tiefe rituelle Bedeutung der Ahnen unbestritten bleibt.

2. Funktionelles Prestige: Der tragbare Thron

  • Autorität des Ältesten: Der Hogon (spiritueller Führer) oder ein angesehener Ältester trug diesen Stab bei wichtigen Reisen, Beratungen oder den rituellen Prozessionen des Sigui (historisch z. B. 1847, 1907, 1967), um den Mythos des Todes und die Erneuerung der Gemeinschaft zu begehen. Die Y-förmige Spitze erlaubte es, ihn im Stehen als Stütze oder in den Pausen als kleinen zeremoniellen Sitz zu verwenden.
  • Sitzen in Weisheit: Auf einem Objekt zu sitzen, das mit den eigenen Vorfahren geschnitzt wurde, war eine visuelle Metapher für Autorität - ein Beweis dafür, dass die Entscheidungen des Ältesten auf den alten Gesetzen der Gründer beruhten.

3. Materialität und Patina

  • Sahelische Verwitterung: Das Holz ist trocken, dicht und weist eine krustige grau-braune Patina auf. Nach dem Tod des Besitzers wird der dolaba traditionell in den Felsgrotten der Bandiagara-Klippen deponiert, was die spezifischen Erhaltungsbedingungen dieses Stücks aus dem 19. oder 20. Jahrhundert im trockenen, stark von den Harmattan-Winden beeinflussten sahelischen Klima Malis erklärt.
  • Generationelle Nutzung: Die polierten Kontaktzonen (der Griff an der Gabelspitze, die Sitzfläche) zeugen von Generationen der Handhabung, was bestätigt, dass das Objekt eher ein aktives Amtsutensil als ein Ausstellungsstück war.

Zusammenfassung

Die Dolaba ist ein tragbares Objekt der religiösen Architektur. Sie komprimiert die umfangreiche, komplexe Mythologie des Dogon-Volkes in einem funktionalen Stab und dient als ständige visuelle Erinnerung an die kosmologische Ordnung und die Autorität der Ältesten.

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