MONTOL Ahnenstatue (Komtin Gesellschaft, 66 cm)
Diese beiden langgestreckten Holzfiguren zeichnen sich durch ihren kantigen Minimalismus aus: blockige, gewölbte Köpfe, subtil geschnitzte Gesichtszüge und dicke, röhrenförmige Gliedmaßen (eine steht gerade, die andere mit leicht gebeugten Knien). Beide Figuren sind mit einer dicken, trockenen, rötlich-braunen Patina überzogen, die aus pulverisiertem Rotholz und Ocker besteht.
1. Ästhetischer Stil und regionale Eigenheiten
Die Holzschnitzerei von Montol stammt aus dem Benue-Tal in Nigeria und zeichnet sich durch eine radikale, proto-kubistische Abstraktion aus. Der Bildhauer vermeidet aktiv eine naturalistische Muskulatur und konstruiert stattdessen den menschlichen Körper aus schweren, sich kreuzenden geometrischen Volumen. Die Köpfe sind gewölbt und bis auf rudimentäre Schlitze funktionslos, während die Gliedmaßen als schwere, unnachgiebige Zylinder dargestellt sind. Dieser strenge Minimalismus schafft eine intensive, grüblerische Silhouette, die eher rohe spirituelle Kraft als menschliche Schwäche vermittelt.
2. Rituelle Funktion und Geheimbund-Kontext
Diese Figuren werden traditionell dem Komtin-Geheimbund zugeordnet, einer exklusiven Männerorganisation, die für Heilung, Wahrsagerei und soziale Kontrolle zuständig ist. Die Figuren wurden Berichten zufolge in abgelegenen, dunklen Schreinen aufbewahrt und dienten als physische Behälter für die Geister der Vorfahren. Während der Komtin-Zeremonien konsultierten die Eingeweihten die Statuen, um aggressive Krankheiten zu heilen, die Praktiker der schwarzen Magie zu entlarven und das moralische Gefüge der Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. Die Statuen wurden rituell gepflegt, um ihre spirituelle Wirksamkeit gegen Bedrohungen der Gemeinschaft zu bewahren.
3. Physische Patina und Altersindikatoren
Ein charakteristisches Merkmal von Montol-Komtin-Figuren ist eine ausgeprägte, verkrustete Patina. Beide Statuen weisen eine dicke, brüchige Kruste aus rotem Ocker, Rotholzpulver und Palmöl auf. Dies spricht für eine Opferschicht, wie sie im rituellen Kontext aufgetragen wurde, um den innewohnenden Geist zu besänftigen. Die Kruste ist so dicht, dass sie die ursprünglichen Werkzeugspuren des Schnitzers teilweise verdeckt, während das darunter liegende Holz deutliche Austrocknungsrisse zeigt, was eine Entstehung im frühen 20. Jahrhundert nahelegt.
Zusammenfassung
Diese Montol-Figuren sind ausdrucksstarke Beispiele des Proto-Kubismus des Benue-Tals und spiegeln die strenge Formensprache wider, die mit der Komtin-Gesellschaft assoziiert wird. Ihre geometrischen Formen und die dichten Opferkrusten machen sie zu bedeutenden Zeugnissen der nigerianischen Sakralkunst.



