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Notizen

NIGER DELTA Vier Gefäße (Vierergruppe, 12-16. Jh.)

Diese Gruppe antiker Terrakotten aus Mali umfasst kugelförmige Gefäße, ein Altargefäß mit erhabenen Knötchen, eine Doppelschüssel und ein Gefäß mit mehreren Tüllen oder Knötchen an der Spitze. Die gebrannten Tonformen weisen eine einheitliche, poröse archäologische Textur mit rötlich-braunen Schlickerresten und dicken kalkhaltigen Bodenverkrustungen auf.

1. Ästhetischer Stil und regionale Charakteristika

Die Gefäße stammen aus der Region des Nigerdeltas in Mali und repräsentieren die funktionalen und rituellen Keramiktraditionen, die neben den berühmten figurativen Skulpturen aus Djenne bestanden. Die Ästhetik ist stark symbolisch geprägt; so ist das Doppelgefäß (Nr. 574) eine visuelle Manifestation des weit verbreiteten philosophischen Konzepts der Mande von Dualität und Zwillingsschaft. Das mit erhabenen, blasenartigen Knötchen bedeckte Gefäß (Nr. 573) ist ein anerkanntes regionales Motiv, das oft als "Pockentopf" bezeichnet wird und mit Hilfe von Texturapplikationen die Eindämmung starker, flüchtiger Kräfte symbolisiert.

2. Rituelle Funktion und Geheimbundkontext

Es handelte sich nicht um gewöhnliches Haushaltsgeschirr, sondern um hochspezialisierte Schreinobjekte. Die Doppelgefäße wurden von traditionellen Heilern (Nganga-Äquivalenten) verwendet, um gegensätzliche spirituelle Medizin zu mischen oder um Zwillingsgöttern doppelte Trankopfer darzubringen. Man geht davon aus, dass die mit Knollen bedeckten Gefäße zur Eindämmung und Besänftigung von Krankheitsgeistern - insbesondere der Pocken - verwendet wurden und als magische Quarantäne dienten, wobei die visuelle Beschaffenheit des Gefäßes die körperlichen Symptome der Krankheit widerspiegelte, die es heilen sollte.

3. Physische Patina und Altersnachweis

Alle vier Gefäße weisen starke archäologische Verwitterungserscheinungen auf, die auf eine Bestattung in den Überschwemmungsgebieten des Niger im 12. bis 16. Jahrhundert in den Überschwemmungsgebieten des Niger. Die niedrig gebrannte Terrakotta hat eine erhebliche Oberflächenverglasung und Mineralauslaugung erfahren. Die Anwendung der applizierten Knötchen und der zusammengefügten Tonabschnitte ist strukturell intakt, doch die Oberflächen sind gründlich mit unablösbarem, gehärtetem Lateritboden und kalzifizierten Salzblüten überzogen, was ihre alte unterirdische Geschichte belegt.

Zusammenfassung

Diese zusammenhängende Sammlung von Gefäßen aus dem Nigerdelta bietet einen faszinierenden Einblick in die medizinischen und kosmologischen Praktiken des alten Mali. Ihre hochspezifischen symbolischen Formen - wie die Zwillingsschalen und die Pockenknötchen - in Verbindung mit den tiefen archäologischen Verkrustungen erheben sie zu Meisterwerken ritueller Keramikkunst.

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