BAMUM-Gedenkfigur (Weibliche Ahnin mit Pfeife - Mayap Chiefdom)
Eine geschnitzte weibliche Figur aus Holz, die auf einem durchbrochenen Hocker mit einem Spinnenmotiv sitzt. Sie raucht eine Pfeife, trägt einen charakteristischen, fächerförmigen Hut im "Kolon-Stil" und hat nicht die für die klassische Grassfields-Kunst typischen übertriebenen, vorgewölbten Wangen.
1. Ästhetischer Stil und Kolon-Einfluss
Diese Figur stellt eine faszinierende stilistische Abweichung von den üblichen Bamum-Konventionen dar. Während traditionelle Elemente wie das Spinnenmotiv auf dem Hocker (das göttliche Weisheit und Wahrsagerei symbolisiert) beibehalten werden, fehlen im Gesicht die tiefen, aggressiven Stichelspuren und die wulstigen Wangen, die man normalerweise erwartet. Stattdessen sind die Gesichtszüge weicher, was auf einen europäischen Einfluss hindeutet. Das auffälligste Element ist der fächerartige Hut mit Krempe, der die Kopfbedeckung der kolonialen Verwalter nachahmt. Diese Vermischung der Ikonographie der Grassfields mit europäischen Attributen ordnet das Objekt eindeutig in den Bereich der "Colon art"-Ästhetik ein und spiegelt eine Gesellschaft wider, die sich mit fremder Präsenz auseinandersetzt.
2. Rituelle Funktion und weibliche Autorität
Dieses Porträt stammt aus der persönlichen Sammlung des Häuptlings Fon Homgoupayon aus dem Mayap-Häuptlingstum und ist ein Gedenkporträt für eine bestimmte weibliche Vorfahrin. Die Figur ist höchst ungewöhnlich, da sie beim Rauchen einer Pfeife dargestellt ist - eine Handlung und ein Gegenstand, die normalerweise als mächtiges Symbol der männlichen Autorität des Häuptlings gelten. Durch die Darstellung dieser weiblichen Vorfahrin mit einer Pfeife, einem Hut im Kolonstil und einem Weisheitshocker erklärt der Schnitzer ausdrücklich ihre außerordentliche politische Macht, ihren Intellekt und ihr hohes soziales Ansehen innerhalb der Mayap-Ahnenreihe.
3. Patina, Materialverwitterung und Altersnachweis
Das Holz weist eine glatte, warme braune Patina auf, die auf eine sorgfältige Aufbewahrung in den persönlichen Räumen des Häuptlings hindeutet. Die Ränder des Hutes, der Pfeifenkopf und die Knie der Figur weisen die meisten Gebrauchsspuren auf. Der Zustand des Holzes und die spezifische Verschmelzung traditioneller und kolonialer Elemente deuten darauf hin, dass das Stück in der späten Kolonialzeit geschnitzt wurde und als aktives Objekt der Erinnerung und des Prestiges für den regierenden Fon diente.
Zusammenfassung
Diese Gedenkfigur ist ein brillantes historisches Dokument, das die Überschneidung von weiblicher politischer Macht und Ästhetik der Kolonialzeit im Kameruner Grasland zeigt. Ihre einzigartige Ikonographie macht sie zu einem höchst individuellen Porträt einer beeindruckenden Mayap-Vorfahrin.

