Karyatidenhocker, Bamum (Häuptlingstum Mabouo - Rangkodierter Königssitz)
Ein kraftvoll geschnitzter Holzhocker mit einer dicken, ovalen Sitzfläche, die von einem zylindrischen Sockel getragen wird, der aus muskulösen, dynamisch posierenden männlichen Karyatidenfiguren besteht, die in einer gestaffelten Formation angeordnet sind.
1. Ästhetischer Stil und der Karyatidenfuß
Der dem Mabouo-Häuptlingstum zugeschriebene Hocker bedient sich der architektonischen Grundform der königlichen Sitzgelegenheiten von Grassfield: dem Karyatidenfuß. Die Ästhetik beruht auf der rhythmischen, strukturellen Wiederholung mächtiger männlicher Figuren, die das Gewicht der dicken, ovalen Sitzfläche tragen. Die Schnitzerei ist ausdrucksstark und betont die Muskelkraft der tragenden Männer, was physische und politische Stärke vermitteln soll. Wie Hornek darlegt, lassen die äußere Form und die figürliche Anordnung der Hocker Rückschlüsse auf den Rang der Person zu, die berechtigt war, auf ihnen zu sitzen.
2. Rituelle Funktion und das Privileg des Sitzens
In der hochgradig stratifizierten Hierarchie der Grassfields gilt es als besonderes Privileg, sich von der Erde zu erheben. Dieser aufwendig geschnitzte Hocker war offenbar nicht für den allgemeinen Gebrauch bestimmt. Wie Hornek ausführt, legt die Ikonographie der ihn tragenden männlichen Figuren nahe, dass er entweder vom Clanchef selbst als Sitz der Macht genutzt oder von einem seiner ranghohen Würdenträger bei besonderen Anlässen verwendet wurde. Das Sitzen auf diesem Hocker verdeutlichte symbolisch, dass die Autorität des Anführers von der Gemeinschaft getragen wurde.
3. Patina, Materialverwitterung und Altersnachweis
Der Hocker trägt eine ausgeprägte, mehrschichtige Patina. Die ovale Sitzfläche zeigt einen dunklen, glänzenden Schimmer – ein Abnutzungsbild, das auf eine langjährige Nutzung, etwa durch das Reiben von Gewändern, hindeuten kann. Die Vertiefungen zwischen den Karyatidenfiguren weisen eine dicke, staubige Ansammlung von Ruß und Erde auf, während die hervorstehenden Nasen und Knie der geschnitzten Männer lokale Abnutzungserscheinungen aufweisen. Die tiefen, stabilen Altersrisse, die strahlenförmig vom Sockel ausgehen, sind vereinbar mit einer Entstehung im frühen bis mittleren 20. Jahrhundert.
Zusammenfassung
Dieser Hocker ist ein bedeutendes Beispiel funktionaler politischer Architektur, wie sie dem Mabouo-Häuptlingstum zugeschrieben wird. Die muskulösen Karyatidenfiguren und die ausgeprägte Patina machen ihn zu einem ausdrucksstarken Symbol für die soziale Hierarchie der Grassfields und die tragende Kraft der Gemeinschaft.

Maske (mit Perlen bedeckt - Muscheln auf Stoff)

Prestige-Rohrkopf

Seltenes Reibungsinstrument
