BAMUN Deckelschalenfigur (Inventarnr. 277)
Eine komplexe, mehrstufige Skulptur aus Holz mit Lederüberzug, die von den Bamun aus dem Kameruner Grasland stammt. Die Komposition zeigt eine dominante Häuptlingsfigur, die eine massive Deckelschale hält, welche von unten durch eine kleinere Kriegerfigur gestützt wird. Das Objekt erfüllte eine hochspezifische politische und psychologische Funktion innerhalb des Häuptlingstums.
1. Ästhetische Komposition und Materialität
Diese elaboriert gestaltete Figur von herausragender Bedeutung für das Häuptlingstum zeichnet sich durch eine starke, kraftvolle und ausdrucksvolle Ausstrahlung aus. Als besonderes Merkmal ist der hölzerne Kern der Skulptur mit Leder überzogen. Die Hauptfigur trägt eine markante, genoppte Haube und eine Halskette, die sie eindeutig als Häuptlingsfigur ausweisen. Die Arme der Figur weisen eine detaillierte, netzartig geflochtene Textur auf. Die zentrale Deckelschale ist mit Reliefs und polychromen Pigmenten (grün, rot, weiß) verziert und wird auf dem Deckel von einer tierischen Figur bekrönt. Unterhalb der Schale steht ein bewaffneter Krieger, der das Gefäß stützt.
2. Rituelle Funktion und die Abgabe der Macht
Wie die Aufzeichnungen belegen, stand diese Figur direkt vor den Räumlichkeiten des Clan-Häuptlings und fungierte als psychologisches Instrument der Herrschaftssicherung. Jeder Besucher – ob freiwillig erschienen oder vorgeladen – musste symbolisch seine Autorität in die Schale legen, um als "machtlos" vor den Häuptling zu treten. Dies ermöglichte es dem mächtigen Häuptling, mit dem "machtlosen Untertanen" nach Belieben zu verfahren. Nach Beendigung der Audienz erhielten die Besucher ihre Macht (ihr Pouvoir) aus der Schale zurück. Um dieses "Spiel" des Machtverlusts zu vermeiden, sahen viele Stammesangehörige von freiwilligen Besuchen ab. Die Kriegerfigur unter der Deckelschale fungiert als Wächter, der jeden Besucher bei der Unterwerfung unter dieses Ritual beobachtet.
3. Patina und Oberflächenbeschaffenheit
Die physische Beschaffenheit der Holz- und Lederkonstruktion zeugt von Alter und rituellem Gebrauch. Der Lederüberzug ist ausgehärtet und hat eine dunkle, tiefschwarze Patina gebildet, die sich eng an die geschnitzten Konturen des Holzes anpasst. Die polychromen Akzente an der Schale, der Halskette und dem Lendenschurz des Kriegers weisen altersbedingten Abrieb auf. Die Ränder der Schale und des Deckels zeigen Glättungen durch Reibung, was auf ein wiederholtes Öffnen und Schließen im Rahmen des Unterwerfungsrituals über einen längeren Zeitraum hindeutet.
Zusammenfassung
Dieses lederüberzogene Gefäß ist ein bedeutendes Zeugnis der Staatskunst der Bamun. Durch den Zwang zur physischen und symbolischen Abgabe von Macht in die Schale fungierte die Skulptur als Torwächter und psychologisches Instrument zur Festigung der absoluten Autorität des Häuptlings.
KI-unterstützt erstellt aus Sammlungsgutachten, Objektfotografie und eigener Recherche, redaktionell geprüft. Fehler sind möglich — Hinweise darauf sind uns willkommen. Zum Verfahren →

Maske (mit Perlen bedeckt - Muscheln auf Stoff)

Prestige-Rohrkopf

Seltenes Reibungsinstrument
